Hitzestress bei Rindern: Wie wir das Wohl unserer Tiere schützen können
Es ist ein heißer Sommertag im Kreis Ravensburg, und eine Autofahrerin macht ihren täglichen Weg vorbei an einer Rinderweide in Wangen. Doch an diesem Tag bleibt ihr Blick an einem nicht ganz so alltäglichen Anblick hängen. Die Rinder liegen in der prallen Sonne, und sie macht sich Sorgen. Sie denkt, die Tiere könnten leiden und greift zum Telefon, um das Kreisveterinäramt in Ravensburg zu alarmieren.
Ein ganz normaler Arbeitsalltag für das Veterinäramt. Eine Mitarbeiterin wird geschickt, um die Situation vor Ort zu prüfen. Und was stellt sie fest? Entwarnung! Der Ernährungszustand des Jungviehs ist gut, und die Tiere zeigen keine Anzeichen von Hitzestress. Tatsächlich gibt es auf der Weide schattige Bereiche, die durch natürlichen Bewuchs und die Topografie des Geländes geschaffen werden. Außerdem sind die Weidetiere mit Frischwasserdurchflusstränken bestens versorgt. Der Landwirt kümmert sich täglich zweimal um seine Tiere und deren Tränken. Das Veterinäramt sieht daher keinen Grund für ein Eingreifen.
Hitzestress bei Rindern: Ein ernstes Thema
Hitzestress ist ein ernstes Thema, das auch Rinder betrifft. Diese Tiere produzieren durch ihre Verdauung hohe Wärme. Ab Temperaturen von 16 °C können Kühe Anzeichen von Unruhe zeigen und suchen kühlere Plätze. Ab etwa 20 °C wird es für sie richtig kritisch. Sie können Wärme nur durch erhöhte physiologische Reaktionen abgeben, was die Situation verschärft. Kühe in Bayern waren in den letzten Jahren im Durchschnitt 900 Stunden pro Jahr Hitzestress ausgesetzt! Das ist eine Menge, wenn man darüber nachdenkt.
Die Tierhalter sind gefordert, entsprechende bauliche und technische Maßnahmen zu ergreifen, um den Hitzestress zu verringern. Ventilatoren, die eine Luftgeschwindigkeit von mindestens 2 m/s erreichen, können dabei helfen, den Luftaustausch zu erhöhen und den Wärmeabtransport zu verbessern. Bei geschlossenen Ställen erweisen sich Schlauchlüftungen als besonders effektiv. Automatische Steuerungen für die Ventilatoren sind ebenfalls empfehlenswert, um den Temperaturansprüchen der Tiere gerecht zu werden.
Die Anpassung der Kühe
Eine spannende, aber oft übersehene Tatsache ist, dass der Körper der Kühe Zeit braucht, um sich an Hitzestress anzupassen. Die Körperkerntemperatur folgt dem Temperaturverlauf der Umgebung mit einer gewissen Verzögerung. An heißen Tagen, besonders wenn die Temperaturen stark schwanken, können die höchsten Körperkerntemperaturen nach nur drei bis fünf Stunden erreicht werden. Das macht das Monitoring der Kühe besonders wichtig, vor allem ab mittags.
Die Erkennung von Hitzestress geschieht unter anderem durch zwei Kernfaktoren: eine sinkende Futteraufnahme und eine erhöhte Atemfrequenz. Wenn Kühe weniger fressen, sinkt auch die Wiederkautätigkeit, was den pH-Wert im Pansen beeinflusst. Das hat zur Folge, dass sich der Mineralstoffhaushalt verändert und die Milchproduktion leidet. In der Landwirtschaft ist es also nicht nur wichtig, die Tiere zu füttern, sondern auch auf ihre Bedürfnisse bezüglich der Umgebungstemperatur zu achten.
Bei all diesen Überlegungen wird deutlich, dass die Landwirtschaft, und hier speziell das Wohl der Rinder, ein sensibles Thema ist. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung, wie in dem Fall der Autofahrerin, sind wertvoll. Sie zeigen das Interesse der Menschen an der Tierhaltung in ihrer Region. Und das ist gut so. Denn ein lebendiger Dialog zwischen Tierhaltern und der Gesellschaft ist entscheidend für das Wohl der Tiere und die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung.
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