In Baden-Württemberg haben die Störche ein ganz besonderes Zuhause gefunden – und das nicht immer an den sichersten Orten. Immer wieder nisten die eleganten Vögel an für sie eher ungeeigneten Plätzen, die für Menschen und ihre Infrastruktur problematisch sein können. Störche, die in der Nähe von Menschen leben, suchen oft die Nähe zu menschlichen Umgebungen und zeigen damit ihre Treue zu ihren Brutplätzen.

Ein bemerkenswertes Beispiel ist ein Storchenpaar, das im Erlebnispark Tripsdrill in Cleebronn versucht, auf einer Achterbahn ein Nest zu bauen. Auch in Rastatt kann man beobachten, wie ein Storchenpaar auf Stromleitungen nistet, während in Bischweier im Kreis Rastatt sogar ein Nest auf einem Funkturm entdeckt wurde. Laut dem Storchenexperten Stefan Eisenbarth ist es jedoch äußerst schwierig, die Störche von solchen riskanten Nistplätzen abzuhalten. Sie kehren an die Orte zurück, an denen sie erfolgreich gebrütet haben, und das macht es umso komplizierter, geeignete Abwehrmaßnahmen zu entwickeln.

Die Herausforderungen des Storchenschutzes

Das Entfernen von Storchennestern ist nicht nur eine heikle Angelegenheit, sondern auch illegal, sofern keine Genehmigung vorliegt. Wer es dennoch tut, muss mit hohen Geldstrafen rechnen. Es gibt jedoch Ausnahmen, die in bestimmten Fällen genehmigt werden können. Ein weiteres Problem ist das Gewicht der Nester, das zwischen 300 und 500 Kilogramm schwankt und somit eine ernsthafte Gefahr für Hochspannungsleitungen darstellt. Abwehrmaßnahmen, wie etwa die Anbringung von Stäben an Strommasten, sind in der Vergangenheit gescheitert, da die Störche diese als Befestigung für ihr Nistmaterial genutzt haben. Erfolgreich war hingegen die Methode der Befestigung von runden Kuppeln, die es den Störchen erschwert, ihr Material dort zu platzieren.

Der Weißstorch hat in den letzten Jahren einen positiven Bestandszuwachs erfahren. In den 1980er Jahren war er in Deutschland fast ausgestorben, hat sich jedoch dank umfangreicher Schutzmaßnahmen erholt. Die Bundesarbeitsgruppe (BAG) Weißstorchschutz führt jährlich Bestandserfassungen durch, um den Fortschritt zu dokumentieren. Dennoch gibt es zunehmende Gefahren durch Lebensraumverlust und Hitze, die den natürlichen Lebensraum des Weißstorchs, das feuchte Grünland, gefährden. Die BAG setzt sich für den Erhalt dieses Lebensraums ein und ist dabei auf die Unterstützung von ehrenamtlichen NABU-Aktiven angewiesen.

Ein Aufruf zur Mitwirkung

Ein weiterer Schwerpunkt der BAG liegt auf der Analyse des sich wandelnden Zugverhaltens der Störche. Viele westziehende Störche verkürzen ihre Zugrouten und überwintern zunehmend in milderen Gebieten, wie etwa in Spanien oder in Deutschland. Um den Weißstorchschutz weiter voranzutreiben, werden Citizen-Science-Projekte wie die Online-Weißstorcherfassung ins Leben gerufen. Interessierte Bürger sind eingeladen, ihre Beobachtungen zu dokumentieren und so aktiv zur Erfassung von Verbreitung und Bestand beizutragen. Dabei sind Koordinaten, Datum, Uhrzeit und optional Fotos von großer Bedeutung.

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Wer sich für den Schutz der Störche engagieren möchte, hat nicht nur die Möglichkeit, bei den jährlichen Zählungen der Winterstörche zu helfen, sondern kann sich auch direkt mit den Kontaktpersonen der BAG in Verbindung setzen, um weitere Informationen zu erhalten. So wird nicht nur der Storchenschutz vorangetrieben, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung der Störche in unserer Kulturlandschaft geschärft.