Der heutige Tag könnte für viele ein ganz normaler Dienstag sein, doch für die Angehörigen und Freunde von Serkan Calar, einem Zugbegleiter, der Anfang Februar brutal angegriffen wurde, könnte er alles verändern. Heute, um 10 Uhr, wird im Landgericht Zweibrücken das Urteil in einem Fall erwartet, der nicht nur die Bahnwelt erschüttert hat, sondern auch die Gesellschaft insgesamt.

Der Angeklagte, ein 26-jähriger Grieche mit Wohnsitz in Luxemburg, sitzt wegen des tödlichen Angriffs auf Calar auf der Anklagebank. Serkan Calar, 36 Jahre alt, starb zwei Tage nach dem Vorfall an einer Hirnblutung im Krankenhaus. Der Angriff ereignete sich, als der Zugbegleiter den Angeklagten, der ohne gültigen Fahrschein unterwegs war und sich weigerte, sich auszuweisen, aufforderte, den Regionalexpress zu verlassen. Die Situation eskalierte schnell: Mehrere Faustschläge trafen Calar mit voller Wucht, bis er bewusstlos wurde. Die schockierenden Szenen wurden von Kameras im Zug aufgezeichnet.

Das Plädoyer und die Reaktionen

Die Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Christian Horras, der Staatsanwalt, sieht keinen Tötungsvorsatz, was die Anwälte der Opferfamilie mit einem Plädoyer auf lebenslange Haftstrafe wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen kontern. Yalcin Tekinoglu, der Anwalt der Familie, äußerte sich enttäuscht über das erwartete Urteil. Die Angehörigen und Freunde des Opfers blieben bei den Plädoyers und der Urteilsverkündung fern, was die emotionale Belastung nur verstärkt. Detlef Placzek, Opferbeauftragter der Landesregierung Rheinland-Pfalz, spricht von einer enormen Belastung für die Familie, die Serkan Calar hinterlässt, darunter zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren.

Die Gewalt gegen Bahnmitarbeiter nimmt seit Jahren zu, so der Security-Manager der DB Regio Mitte. Im Jahr 2025 wurden in seinem Bereich 231 Körperverletzungsdelikte registriert, häufig in Form von Anspucken. Auch wenn Deeskalationstrainings bei der Bahn seit über 20 Jahren durchgeführt werden – Calar selbst nahm an acht Trainings teil – zeigt sich, dass dies nicht immer ausreicht, um die Mitarbeiter zu schützen. Die Angriffe werden als zunehmend respektlos wahrgenommen, was die Situation nicht einfacher macht.

Ein alarmierender Trend

Der Vorfall ist kein Einzelfall. Im Jahr 2022 wurden knapp 3000 Bahnmitarbeiter Opfer von Straftaten. Durchschnittlich fünf Beschäftigte wurden pro Tag körperlich angegriffen, dazu kamen vier Bedrohungen. Viele Bahnbedienstete scheuen sich inzwischen vor Ticketkontrollen, aus Angst um ihre Sicherheit. Jonas Rees, ein Gewaltforscher, berichtet von einem kontinuierlichen Anstieg der Gewalt gegen Bahnbeschäftigte seit 2015. Besondere Vorsicht ist an bestimmten Wochentagen, vor allem freitags und samstags, geboten. Die Situation wird noch verschärft durch Überfüllung und Verspätungen der Züge sowie den Einfluss von Alkohol.

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Die Reaktionen auf die zunehmende Gewalt sind vielfältig. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt plant, die Mindeststrafen für Angreifer zu erhöhen. Rees hingegen hält härtere Strafen für nicht zielführend. Er fordert stattdessen mehr Sicherheitspersonal und Deeskalationstrainings für Mitarbeiter. Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit umfassen auch die Möglichkeit für Zugbegleiter, Kontrollen abzubrechen, sowie die Schaffung von Rückzugsräumen in Zügen. Bahnchefin Evelyn Palla plant einen Sicherheitsgipfel – vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung, um den Mitarbeitern ein sicheres Arbeitsumfeld zu bieten.

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