Vor der Ostsee-Insel Poel stehen die Helfer des gestrandeten Buckelwals unter immensem Druck. Die Behörden haben das neue Rettungskonzept für das Tier, das bereits seit mehreren Wochen in den Gewässern rund um Poel gestrandet ist, bislang nicht genehmigt. Laut einem Sprecher von Umweltminister Till Backhaus (SPD) müssen noch offene Fragen geklärt werden, bevor eine Rettung erfolgen kann.
Währenddessen plant der Bagger-Unternehmer Fred Babbel, heute eine über 100 Meter lange Rinne zum tiefen Fahrwasser fertigzustellen. Der rund 12 Meter lange und 12 Tonnen schwere Wal soll voraussichtlich am Sonntag oder Montag aus seiner misslichen Lage befreit werden. Ein 50 mal 30 Meter großer, mit Wasser gefüllter Lastkahn wird für den Transport des Wals in Richtung Nordsee genutzt. Tierärztin Kirsten Tönnies hat jedoch angekündigt, dass der Transportkahn verspätet eintreffen wird, was die Rettungsaktion weiter verzögert.
Rettungsmaßnahmen und Herausforderungen
Das geplante Rettungskonzept sieht vor, dass der Wal durch eine geöffnete Klappe am Heck des Kahns entweder selbstständig hinein schwimmt oder behutsam hineingebracht wird. Dabei wird in Betracht gezogen, weiche Schlingen zur Bewegung des Wals zu verwenden, da Gurte als zu belastend abgelehnt wurden. Für Sonntagmittag wird ein deutlich steigender Wasserstand in der Bucht vorhergesagt, was die Situation komplizieren könnte. Ähnlich wie am Montag, als der Wal nach drei Wochen Liegezeit selbst losschwamm, könnte er erneut versuchen, sich in tiefere Gewässer zu retten.
Um dies zu verhindern, sollen Sandsäcke (Big Bags) als Barriere im Wasser platziert werden. Insgesamt wurden zwei Lkw-Ladungen mit Sandsäcken am Freitag in den Hafen von Kirchdorf auf Poel geliefert, um den Wal vor weiteren Strandungen zu schützen.
Private Rettungsinitiative und Widerstand
Eine private Rettungsinitiative hat ebenfalls ein neues Konzept zur Bergung des Buckelwals erarbeitet. Eine Barge ist bereits auf dem Weg zur Insel Poel, um die Rettungsaktion zu unterstützen. Umweltminister Till Backhaus hat den Wal besucht und festgestellt, dass das Tier einen kranken, aber aufmerksamen Eindruck macht. Zwei neue Teilkonzepte zur Rettung des Wals liegen dem Ministerium vor und werden aktuell geprüft.
Die Bergung könnte frühestens am kommenden Sonntag oder Montag erfolgen, abhängig von den Wetterbedingungen und dem Wasserstand. Ursprünglich war ein Einsatz eines Netzes geplant, dieser wurde jedoch verworfen und soll erst kurz vor der Bergung eingesetzt werden. Technische Hilfsmittel wie Schwimmbagger oder Lastkahn stehen derzeit nicht zur Verfügung, was die Situation zusätzlich erschwert.
Gesundheitszustand und Expertenmeinungen
Die Tierärztin Kirsten Tönnies äußerte zudem Kritik am ersten Gutachten zum Gesundheitszustand des Wals und betonte die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Der Wal zeigt Lebenswillen und kann bei Bedarf medizinisch versorgt werden. Die US-Tierärztin Jenna Wallace hat indes Vorwürfe gegen Sergio Bambarén und Danny Hilse erhoben, die ihrer Meinung nach die Rettungsaktion gefährden würden. Der Wal wurde erstmals am 3. März im Hafen von Wismar gesichtet und hat seitdem mehrere Strandungen und Bewegungen durchlaufen.
Die Situation rund um den gestrandeten Buckelwal bleibt angespannt. Alle Beteiligten hoffen auf eine baldige Rettung und darauf, dass das Tier sicher in die Nordsee transportiert werden kann. Die kommenden Tage werden entscheidend für das Schicksal des Wals sein.