Carlo Petrini, der charismatische Gründer der internationalen Slow-Food-Bewegung, ist am Donnerstagabend im Alter von 76 Jahren nach langer Krankheit verstorben. Geboren in Bra, Piemont, Italien, hat Petrini nicht nur seine Heimatstadt geprägt, sondern auch die Welt der Gastronomie revolutioniert. Mit seiner Vision, die Qualität von Lebensmitteln und das „Recht auf Genuss“ zu fördern, hinterlässt er ein beeindruckendes Erbe.

Die Reise von Petrini begann im Jahr 1949 und führte ihn durch die bewegten Zeiten der 1968er-Bewegung. In den 1980er Jahren, inspiriert von der Eröffnung einer McDonald’s-Filiale an der Piazza Navona in Rom, gründete er Slow Food. Diese Bewegung, die mittlerweile in über 160 Ländern vertreten ist, versteht sich als direkte Antwort auf die Schnelllebigkeit und Anonymität des Fast Foods. Unter dem Motto „Buono, pulito e giusto“ – gut, sauber und fair – setzt sich Slow Food für qualitativ hochwertige, nachhaltig produzierte Lebensmittel ein.

Ein Vorreiter der Genusskultur

Slow Food organisiert lokale Gruppen, die Kochkurse, Verkostungen und Besuche bei Produzenten anbieten. Petrinis Engagement für regionale Produkte und die Bewahrung kulinarischer Traditionen ist unermüdlich. 1989 wurde Slow Food international, als Delegationen aus 20 Ländern ein Manifest in Paris unterzeichneten. In Deutschland, wo die Bewegung 1992 gegründet wurde, zählt sie heute über 13.000 Mitglieder. Petrini selbst war bis 2022 Präsident der internationalen Organisation, bevor er sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzog.

Sein Einfluss reichte weit über die Grenzen der Lebensmittelbewegung hinaus. Petrini war auch Mitgründer der Universität der Gastronomischen Wissenschaften in Pollenzo und initiierte das internationale Netzwerk Laudato si, das Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen vereint. Sein unermüdlicher Einsatz wurde 2004 von „Time“ gewürdigt, die ihn zu einem der „Helden Europas“ kürten, während „The Guardian“ ihn 2008 als einen von 50 Menschen bezeichnete, die die Welt retten könnten.

Ein Leben für die Gastronomie

Seine Leidenschaft für das Essen und Trinken begann schon früh. Ab 1977 schrieb er in italienischen Zeitschriften und war Mitbegründer der renommierten Zeitschrift Gambero Rosso. Er engagierte sich auch in seiner Heimatstadt Bra politisch und setzte sich für die Rechte der Landwirte ein, was ihn schließlich zur Gründung der Gesellschaft der Freunde des Barolo führte – eine Reaktion auf das Panschen des berühmten Weins mit Methanol.

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Petrini war ein Mann der großen Ideen und der kleinen Details. Er sagte oft: „Wer Utopie sät, wird Realität ernten.“ Diese Überzeugung spiegelte sich in seinem gesamten Schaffen wider und inspirierte unzählige Menschen, sich für eine bessere Lebensmittelkultur zu engagieren. In einem seiner letzten Interviews äußerte er die Hoffnung, dass seine Arbeit fortgesetzt wird. Diese Botschaft wird in den Herzen der vielen Menschen weiterleben, die von seiner Vision berührt wurden.

Der Verlust von Carlo Petrini ist nicht nur ein Verlust für die Slow-Food-Bewegung, sondern für die gesamte Gastronomie- und Genusskultur weltweit. Sein Lebenswerk wird auch weiterhin Menschen motivieren, für gute, saubere und faire Lebensmittel einzutreten – und das ist vielleicht das größte Vermächtnis, das er hinterlässt.