Heute ist der 21.06.2026 und im Ortenaukreis macht sich Unruhe breit – und das nicht ohne Grund. Die massive Ausbreitung der Welse sorgt für Sorgenfalten bei Fischern und Wissenschaftlern gleichermaßen. Diese imposanten Raubfische, die sich als größte einheimische Süßwasserfische einen Namen gemacht haben, profitieren von der Klimaerwärmung und breiten sich unaufhaltsam in unseren Gewässern aus. Im Neckar, Rhein, Bodensee sowie in zahlreichen kleineren Flüssen und Baggerseen im Südwesten sind sie mittlerweile weit verbreitet.

Ein Blick in die Statistiken zeigt: Der Anteil der Flüsse mit nachgewiesenem Wels hat sich in den letzten 20 bis 40 Jahren fast verdreifacht. Die Fangmenge im Bodensee ist von 4,5 Tonnen im Jahr 2020 auf fast 8 Tonnen im Jahr 2024 angestiegen – 1990 waren es noch rund 100 Kilogramm pro Jahr. Das lässt aufhorchen! Und wenn man bedenkt, dass diese Tiere bis zu 3 Meter lang und 150 Kilogramm schwer werden können, ist klar, dass sie nicht gerade kleine Fische fangen. Im Fischereimuseum Langenargen wird ein Exemplar von 2,43 Metern und 70 Kilogramm ausgestellt, und in einem Baggersee in Kirchentellinsfurt wurde ein 2,22 Meter langer Wels mit 81 Kilogramm gefangen.

Ein Bedrohungsszenario für Wanderfische

Die Welse sind nicht nur beeindruckend in ihrer Größe, sie sind auch gefräßig. Als Raubfische fressen sie alles, was ihnen vor die Schnauze schwimmt, und stellen damit eine ernsthafte Bedrohung für Wanderfische wie Lachs dar. Diese werden an Fischpässen regelrecht abgezogen und erleiden schon jetzt erhebliche Verluste und Verletzungen. Besonders alarmierend ist die Situation in der Kinzig im Ortenaukreis, wo die Lachsbestände stark abgenommen haben.

Mit der Klimaerwärmung steigen auch die Wassertemperaturen. Der Bodensee hat sich von 11-12 Grad Celsius im Jahr 1990 auf 13-14 Grad Celsius im Jahr 2024 erwärmt. Ein Umstand, der die Ausbreitung des Welses begünstigt. Ab einer Körperlänge von einem Meter hat der Wels keine natürlichen Feinde mehr – ein Umstand, der die Problematik noch verstärkt. Die Behörden versuchen zwar, den Welsbestand durch gezielte Fangmaßnahmen zu regulieren, jedoch gibt es keine Schonzeit oder Mindestmaß für diesen Fisch. An sogenannten „Hotspots“ wird gezielt gefischt, und Erwerbsfischer dürfen mit Ausnahmegenehmigung effizienter fangen.

Wels und Klimawandel

Doch das Problem hat nicht nur lokale Dimensionen. Der Klimawandel, der die Wassertemperaturen ansteigen lässt, hat auch globale Auswirkungen auf die Fischerei. Ozeane regulieren das Weltklima, produzieren Sauerstoff und absorbieren Kohlendioxid. Höhere Temperaturen und steigender Kohlendioxidgehalt führen jedoch zu saurerem Wasser, was nicht nur den Welsen, sondern auch anderen Fischarten zusetzt. Prognosen zeigen, dass bis Ende des Jahrhunderts 99% der Korallenriffe sterben könnten – ein Schicksal, das auch die Lebensgrundlage vieler kleiner Fischer bedroht.

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Ein weiteres Problem der globalen Erwärmung ist, dass Fische aufgrund steigender Temperaturen in tiefere, kühlere Gewässer oder in Richtung Pole wandern. Das erschwert den Zugang für Küstenfischer und gefährdet die Ernährungssicherheit vieler Menschen, die auf Fisch als Proteinquelle angewiesen sind. Insbesondere Entwicklungsländer nahe dem Äquator sind hiervon stark betroffen – eine dramatische Situation, die sich in den kommenden Jahrzehnten noch verschärfen könnte.

So bleibt die Frage, wie wir mit dieser Herausforderung umgehen. Während die lokalen Maßnahmen zur Bekämpfung der Wels-Ausbreitung ergriffen werden, ist ein nachhaltiges Fischereimanagement unerlässlich, um den globalen Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Schließlich könnte eine nachhaltige Bewirtschaftung die Fischbiomasse um 60% steigern und gesunde Bestände in Küstennähe fördern, was nicht nur der Umwelt, sondern auch der Fischerei zugutekommt. Und so bleibt der Wels im Ortenaukreis nicht nur ein faszinierendes, sondern auch ein komplexes Thema, das uns alle betrifft.

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