Heute ist der 22.07.2026, und in Zell am Harmersbach, einem Fleckchen Erde im Ortenaukreis, geht ein Stück Geschichte in eine neue Runde. Nach der Insolvenz der Zeller Keramik Manufaktur GmbH & Co. KG im Jahr 2023, die mit der Schließung des Werksverkaufs im Dezember desselben Jahres endete, scheint das Schicksal des traditionsreichen „Hahn und Henne“-Dekors gesichert. Ursprünglich 1789 gegründet und seit 1898 in der Produktion, hat es Generationen von Sammlern verzaubert. Kaffeetassen, Teller und andere Produkte im grünen und gelben Gewand mit den ikonischen schwarzen Motiven eines Hahns und einer Henne – sie sind auf der ganzen Welt bekannt, aber vor allem hierzulande ein echtes Kulturgut.

Die Stadt Zell am Harmersbach hat sich die Markenrechte an diesem Erbe im Februar 2023 gesichert und damit den Grundstein für ein Revival gelegt. Die neuen Tassen und Teller werden ab dem 24. Juli 2026 in zehn Geschäften und Hotels in der Stadt erhältlich sein. Produziert werden sie nun in der Keramik Hans Rebstock GmbH im Allgäu. Und das ist nicht nur ein einfaches Comeback – es ist die Rückkehr einer Tradition, die in Handarbeit fortgeführt wird. Die große Menge von einst wird es nicht mehr geben, stattdessen konzentriert man sich auf Qualität und Handwerkskunst.

Ein Hauch von Nostalgie und Verantwortung

Die Reaktionen in den sozialen Medien sind überwiegend positiv. Viele Menschen teilen Kindheitserinnerungen und verbinden eine gewisse Nostalgie mit den „Hahn und Henne“-Produkten. Doch nicht alle sind begeistert – es gibt auch kritische Stimmen, die die Verlagerung der Produktion ins Allgäu bemängeln. Ja, das ist ein Thema, das nicht von der Hand zu weisen ist. Bürgermeister Günter Pfundstein hat die Verantwortung für dieses historische Erbe betont und sich für eine enge Zusammenarbeit mit den ehemaligen Mitarbeitern der Zeller Keramik ausgesprochen. Diese kümmern sich nun um die Anlernung neuer Fachkräfte, wie die ehemalige Keramikmalerin Erika Börsig, die aktiv am Revival mitwirkt.

Doch das Comeback der Zeller Keramik steht nicht allein da. Die gesamte deutsche Keramikindustrie kämpft mit einer tiefgreifenden Strukturkrise. Energiekosten, die seit dem Ukraine-Krieg stark gestiegen sind, und der Rückgang des Baumarktes sind nur einige der Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Die Branche musste sich anpassen, und das ist nicht leicht. Die Insolvenz der Deutschen Steinzeug aus Witterschlick ist ein weiteres Beispiel dafür, wie hart es die Hersteller trifft. Damit wird die Rückkehr von „Hahn und Henne“ zu einem Symbol für den Kampf um die Bewahrung von Tradition und Handwerkskunst in einer schwierigen Zeit.

Die neuen Produkte sind, ehrlich gesagt, ein kleiner Lichtblick in einer Branche, die unter Druck steht. Ob sie den Weg zurück in die Herzen der Menschen finden, wird sich zeigen. Die Mischung aus Tradition und Innovation könnte genau das sein, was die Zeller Keramik braucht, um in dieser rauen wirtschaftlichen Landschaft zu überleben. Und während wir auf den offiziellen Verkaufsstart warten, bleibt die Vorfreude spürbar. Ein bisschen wie das Kribbeln vor dem ersten Schluck Kaffee aus einer geliebten „Hahn und Henne“-Tasse – einfach nostalgisch.

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