Heute ist der 25.05.2026 und wir werfen einen Blick auf das beeindruckende Wirken von Vater Wassil Betschewski, dem Gemeindepfarrer der bulgarischen orthodoxen Kirchengemeinden „Hl. Petka von Tarnowo“ in Mannheim und „Mariä Tempelgang“ in Mainz. Wassil, der 2012 mit seiner Familie nach Deutschland kam, hat sich schnell in die lokale Gemeinschaft integriert. Dank der Unterstützung seiner Gemeinde fand die Familie nicht nur einen neuen Lebensraum, sondern auch ein Gefühl von Zugehörigkeit in der Fremde.
Die bulgarische Kirchengemeinde in Mannheim ist ein Ort, an dem nicht nur Glauben, sondern auch Nächstenliebe und sozialer Zusammenhalt gelebt werden. Vater Betschewski, der am 14. Oktober 2017 von Metropolit Antonij zum Priester geweiht wurde, ist aktiver Teil dieser Gemeinschaft. Er nimmt regelmäßig an Gottesdiensten teil und sieht seine Berufung als Priester als eine Art inneren Ruf, der sich nicht in Worte fassen lässt. Die Herausforderung, als Geistlicher in Westeuropa zu wirken, besteht für ihn darin, soziale Aufgaben zu übernehmen und den Menschen in schwierigen Lebenslagen zur Seite zu stehen.
Ein Ort der Hilfe und Integration
Die Gemeinde in Mannheim ist nicht nur ein spirituelles Zuhause für Bulgaren, sondern bietet auch praktische Hilfe für Mitglieder, die zur Behandlung schwerer Krankheiten nach Deutschland kommen. Oft sind es Familien, die in dieser herausfordernden Phase Unterstützung benötigen. Die Gemeinde organisiert Deutschkurse in Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim, damit neu angekommene Landsleute sich besser zurechtfinden können. Ein echtes Gemeinschaftsgefühl wird hier großgeschrieben – die Mitglieder helfen sich gegenseitig, sei es während der Behandlung oder in der Integration.
Darüber hinaus engagiert sich die Kirchengemeinde auch für notleidende Menschen in Bulgarien, indem sie Hilfsgüter sammelt und Renovierungsprojekte für Kirchen und Klöster unterstützt. Es ist berührend zu sehen, wie dieser Glaube nicht nur in den Mauern der Kirche, sondern auch in den Herzen der Menschen weiterlebt.
Die Wurzeln der bulgarisch-orthodoxen Kirche
<pUm die Bedeutung von Vater Wassils Arbeit besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche. Diese hat ihre Wurzeln in den Missionsreisen des Apostels Paulus, die etwa um das Jahr 50 stattfanden. Die Christianisierung Bulgariens begann in den Städten und wurde maßgeblich durch das byzantinische Staatskirchentum gefördert. Im 8. Jahrhundert wurde das Christentum schließlich zur Staatsreligion, und unter Zar Boris I. kam es zu einem entscheidenden Wendepunkt: Die Christianisierung, die 864 durch das Konstantinopeler Patriarchat begann, wurde zur Grundlage einer eigenständigen bulgarischen Literatur und Zivilisation.
Die bulgarische Kirche hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie wurde im Jahr 927 vom Ökumenischen Patriarchat anerkannt, und nach verschiedenen politischen Umwälzungen, wie dem Einmarsch der Osmanen, erlebte sie Höhen und Tiefen. Doch die Einheitsbewegung im 18. Jahrhundert führte zur Gründung des Bulgarischen Exarchats, das 1870 unabhängig wurde. Diese historische Tiefe gibt auch dem heutigen Wirken von Vater Wassil eine besondere Note.
Der Wunsch nach einem eigenen spirituellen Zentrum
Vater Wassil äußert den Wunsch nach einer eigenen Kirche für die Bulgaren in der Region. Eine Kirche, die nicht nur als Ort des Gebets dient, sondern auch als geistlich-soziales Zentrum fungieren könnte. Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das nicht nur die bulgarische Gemeinschaft stärken würde, sondern auch ein Zeichen für das Miteinander in der multikulturellen Gesellschaft Deutschlands setzen könnte.
In einer Zeit, in der die Welt oft geteilt scheint, ist es ermutigend zu sehen, wie die bulgarische Kirchengemeinde in Mannheim Brücken baut. Sie verbindet nicht nur Bulgaren, sondern auch Deutsche, Syrer und Russen, die sich zur Orthodoxie hingezogen fühlen. So wird deutlich, dass der Glaube nicht nur eine private Angelegenheit ist, sondern eine Kraft, die Menschen zusammenbringt und Hoffnung schenkt.