Stark im Alltag: Pflege und Unterstützung für Angehörige im Fokus
In Tauberbischofsheim, einer bezaubernden Stadt im Main-Tauber-Kreis, fand kürzlich eine bemerkenswerte Veranstaltung mit dem Titel „Stark im Alltag – für pflegende Angehörige und Interessierte“ statt. Im Foyer des Gründerzentrums und im Pflegestützpunkt versammelten sich Menschen, die sich für das Thema Pflege und Unterstützung von Angehörigen interessieren. Anlass war der 77. Geburtstag des Grundgesetzes – ein Tag, der nicht nur die Rechte der Bürger in den Fokus rückt, sondern auch die Wichtigkeit der Pflege und Selbstfürsorge betont. Und das nicht ohne Grund, denn in Deutschland versorgen pflegende Angehörige etwa 80% der pflegebedürftigen Menschen. Ein großes Thema, das oft im Schatten bleibt.
Sozialdezernentin Elisabeth Krug eröffnete die Veranstaltung und unterstrich die immense gesellschaftliche Bedeutung des Engagements, das viele Angehörige aufbringen. Diese wertvolle Arbeit wird nicht immer gesehen oder gewürdigt. Amtsleiterin Nicole Schwarz griff das Thema der Auszeiten auf und wies darauf hin, wie wichtig es ist, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren, während man für andere sorgt. Heike Böhm von der Kommunalen Pflegekonferenz führte die Teilnehmenden durch verschiedene Achtsamkeitsübungen – eine echte Wohltat inmitten des oftmals stressigen Pflegealltags. Die Atmosphäre war warm und einladend, und es gab viele Gelegenheiten, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Praktische Tipps für die Pflege
Die Veranstaltung bot nicht nur informative Vorträge, sondern auch eine Reihe von Mitmachaktionen. Stuhl-Yoga, Aromatherapie und weitere Achtsamkeitsübungen luden zum Mitmachen ein. Wer neugierig war, konnte sogar einen Massagesessel der Firma Alpha Techno GmbH testen – eine kleine Auszeit, die viele Teilnehmende sichtlich genossen. Die Pflegeberaterinnen standen den Besuchern für persönliche Gespräche zur Verfügung und hatten Informationsmaterialien dabei, die wertvolle Tipps zur Selbstfürsorge beinhalteten. Komischerweise ist es oft genau diese Art der Unterstützung, die im Alltag fehlt, obwohl sie so wichtig ist.
Die Veranstalter zogen ein durchweg positives Fazit und äußerten den Wunsch, diese wertvolle Veranstaltung zu wiederholen. Ein dringend benötigter Schritt, um das Bewusstsein für die Herausforderungen und die Bedeutung pflegender Angehöriger in der Gesellschaft zu schärfen. Es ist ermutigend zu sehen, dass solche Initiativen Menschen zusammenbringen und stärken können.
Ein Beispiel für Engagement
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für ehrenamtliches Engagement ist Kornelia Schmid. Sie ist seit 2013 aktiv und hat die Facebook-Gruppe „Pflegende Angehörige“ gegründet, die mittlerweile fast 15.000 Mitglieder zählt. Ihr Engagement begann, als ihr Mann 1994 die Diagnose Multiple Sklerose erhielt. Diese persönliche Geschichte zeigt, wie herausfordernd die Pflege eines Angehörigen sein kann. Schmid musste ihren Beruf und ihr Ehrenamt aufgeben, um sich um ihren Mann zu kümmern. Ihre gesamte Familie, einschließlich ihrer Tochter und Söhne, unterstützt sie in dieser schweren Zeit. Es ist berührend zu sehen, wie stark der familiäre Zusammenhalt in solchen Situationen ist.
Schmid fordert eine bessere Zusammenarbeit zwischen beruflich Pflegenden und pflegenden Angehörigen. In der Politik wird oft übersehen, dass diese Angehörigen eine tragende Säule des Pflegewesens sind. Dennoch ist ihre Stimme häufig nicht laut genug. Die Herausforderungen, vor denen sie stehen, sind enorm, wie Schmid selbst erlebt hat. Im März 2022 erkrankte ihre gesamte Familie an Corona, was die Pflege ihres Mannes zusätzlich erschwerte. Solche Erlebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit von echten Entlastungsangeboten und besseren Informationsflüssen im Gesundheitssystem.
Ein grundlegender Wandel in der Pflegeversicherung wird als notwendig erachtet. Schmid selbst ist die erste Vorsitzende des „Pflegende Angehörige e.V.“, der als Stimme für pflegende Angehörige fungiert und den Austausch zwischen den Betroffenen fördert. In einer Welt, die sich so schnell dreht, ist es wichtig, dass wir die Menschen, die sich um andere kümmern, nicht aus den Augen verlieren. Ihre Geschichten müssen gehört werden.
