Heute ist der 22.06.2026 und die Atmosphäre im Ludwigsburger Schlosstheater ist elektrisierend. Die Vorfreude auf die Aufführung von Joseph Haydns „Lo Speziale“ am 21. Juni war in der Luft spürbar. Das Stuttgarter Kammerorchester, unter der einfühlsamen Leitung von Jan Willem de Vriend, hatte sich für diesen besonderen Abend einiges vorgenommen. Die Eröffnung mit Haydns Sinfonie Nr. 45 in fis-Moll, auch bekannt als „Abschiedssinfonie“, war ein echter Ohrenschmaus. Diese Sinfonie, die Leidenschaft und Innigkeit in einem einzigartigen Zusammenspiel vereint, ist nicht nur musikalisch, sondern auch geschichtlich von Bedeutung. Haydn, der seine Musiker mit einem Scherz in die Urlaubszeit entließ, zeigt hier einen Humor, der auch Mozart beeindruckte.

In „Lo Speziale“ wird die Handlung von Carlo Goldoni lebendig. Die Geschichte des Apothekers Mengone, der in Grilletta verliebt ist, aber mit dem eifersüchtigen Volpino konkurriert, entfaltet sich in einem bunten Treiben von Verwirrungen und Missverständnissen. Volpino, der sich sogar als Türke verkleidet, um Grillettas Hand zu bitten, setzt alles auf eine Karte. Das Bühnenbild, das von der talentierten Eva Buchmann entworfen wurde, schafft mit einem Auto, das sowohl Apotheke als auch Schwimmbad darstellt, eine amüsante Kulisse, die perfekt zur komischen Natur des Stückes passt. Auch die Kostüme von Jorine van Beck, insbesondere die Schwimmausrüstung, tragen zur Heiterkeit und zum Charme der Inszenierung bei.

Ein musikalisches Fest

Die musikalische Darbietung ist ein Hochgenuss! Mit einer modernen Interpretation, die auf Ouvertüren verzichtet und stattdessen Seccorezitative zwischen den Musiknummern einfügt, zeigt Haydn seine innovative Seite. Die Sänger, darunter Marina Zyatkova als Grilletta, Renato Arends als Volpino, Alvaro Zambrano als Mengone und Enrico Marabelli als Sempronio, begeistern das Publikum mit ihren Darbietungen. Man fühlte sich fast in ein anderes Zeitalter versetzt, als die Klänge des Wiener Liedstils und Anklänge an Mozarts „Entführung aus dem Serail“ durch den Saal schwebten. Besonders eindrucksvoll war die einfühlsame Begleitung durch das Stuttgarter Kammerorchester, das die Stimmen perfekt in Szene setzte.

Der Abend endete mit frenetischem Applaus und „Bravo“-Rufen, und die Emotionen kochten über. Es fühlte sich an, als ob die Zuschauer nicht nur die Musik, sondern auch die ganze Erfahrung in sich aufnahmen. Die chaotischen Szenen, die Autodusche und die skurrilen Verwicklungen sorgten für herzhaftes Lachen und eine ausgelassene Stimmung. Haydn, der hier als Vorreiter einer neuen musikalischen Ära gezeigt wird, bleibt ein zeitloser Künstler, dessen Werke auch heute noch begeistern und überraschen.

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