Die Stadtverwaltung Lörrach hat einen bedeutenden Schritt in Richtung Verbesserung der Schulsozialarbeit eingeleitet. Anlässlich der jüngsten Bedarfsanalysen und der fachlichen Bewertung des Landkreises aus dem Jahr 2023 schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, die Stellenanteile der Schulsozialarbeit an drei Schulen aufzustocken. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Schulen zu entlasten und die Unterstützung für Schüler, Eltern und Lehrkräfte zu verbessern. Denn der Schulalltag wird zunehmend von gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen geprägt.

In den letzten Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für Schülerinnen und Schüler drastisch verändert. Der steigende Anteil an Heterogenität, Migration und psychischen Belastungen, ebenso wie der Einfluss digitaler Medien und komplexe familiäre Problemlagen, führen zu einem erhöhten Unterstützungsbedarf. Besonders neurodivergente Kinder benötigen mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung, um ihre schulischen Herausforderungen zu meistern.

Aufstockung der Stellenanteile

Die geplante Aufstockung betrifft die Hellbergschule in Brombach, die Pestalozzischule und das Hans-Thoma-Gymnasium. Die Hellbergschule, die rund 460 Schüler betreut und einen hohen Migrationsanteil von über 60% aufweist, soll von 125% auf 140% ab dem 1. Januar 2027 aufgestockt werden. Die Pestalozzischule, ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit 121 Schülern, wird von 60% auf 70% erhöht, während das Hans-Thoma-Gymnasium, das rund 1.070 Schüler zählt und steigende Beratungsanlässe verzeichnet, von 120% auf 130% aufgestockt werden soll. Diese Vorschläge basieren auf standardisierten sozialwissenschaftlichen Verfahren des Landkreises, die den aktuellen Handlungsbedarf an den Schulen verdeutlichen.

Die Integration neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher stellt eine zentrale Herausforderung für das Bildungssystem in Deutschland dar. Hohe Migrationszahlen, bedingt durch Kriege und Krisen, haben in den letzten Jahren zu einem signifikanten Anstieg der Schülerzahlen geführt. Oft beginnt der Schulbesuch neu zugewanderter Kinder erst Monate nach deren Ankunft in Deutschland, was nicht nur zu Brüchen in der Schulbiographie führt, sondern auch zu erheblichen Leistungsunterschieden. Migrantenkinder schneiden in Leistungsvergleichen häufig schlechter ab als ihre Altersgenossen, was auf die mangelnde Unterstützung und die Herausforderungen im Schulalltag zurückzuführen ist.

Gesellschaftliche Herausforderungen und Unterstützung

Die Befragungen von Kindern und Jugendlichen an Lörracher weiterführenden Schulen unterstützen den Bedarf an zusätzlicher Hilfe im Schul- und Familienalltag. Lehrkräfte fühlen sich oft überfordert durch die Heterogenität der Schüler und die damit verbundenen sozialen Herausforderungen. Fehlende stabile soziale Beziehungen außerhalb der Schule wirken sich negativ auf das Lernen aus und erschweren den Anschluss an die Klassengemeinschaft. Die Schulsozialarbeit fungiert hierbei als niedrigschwelliges Unterstützungsangebot und Bindeglied zwischen Schule, Jugendhilfe und Institutionen.

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Die Kreistagsbeschlüsse, die im Oktober 2023 einen Mehrbedarf für die betroffenen Schulstandorte feststellten, unterstreichen die Dringlichkeit dieser Maßnahmen. Die personelle Erweiterung soll frühestens zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, vorbehaltlich der Haushaltsfreigabe. Die zusätzlichen Kosten für die Stadt Lörrach werden auf rund 12.660 Euro jährlich geschätzt, wobei die Finanzierung gemeinsam mit dem Landkreis erfolgen wird. Ziel ist es, die Schulen nachhaltig zu stärken und ein verlässliches Unterstützungsangebot zu schaffen, das gesetzlich im Sozialgesetzbuch VIII verankert ist und somit einen wesentlichen Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe bildet.