In Konstanz wird ein bedeutendes Denkmal für Zivilcourage und Menschlichkeit geschaffen. Die Gedenkstätte „SCHLAG.BAUM“ soll an das außergewöhnliche Wirken von Emilie und Oskar Schindler während der finsteren Zeiten des Nationalsozialismus erinnern. Unbemerkt von vielen, retteten die beiden über 1.200 Menschen vor dem sicheren Tod. Das ist nicht nur eine Zahl, es sind Schicksale, Geschichten, Leben, die gerettet wurden. Die Gedenkstätte wird nicht nur die Taten der Schindlers ehren, sondern auch eine Botschaft für die Gegenwart senden: Mut gegen Ungerechtigkeit ist unerlässlich!

Erika Rosenberg-Band, eine enge Freundin Emilie Schindlers, hielt am 9. Juni einen Vortrag an der Volkshochschule in Konstanz. Ihre Erinnerungen an Emilie, die sie 1990 in Buenos Aires traf, sind voller Wärme und Respekt. Oft wird Emilie im Schatten ihres berühmteren Mannes Oskar gesehen, dabei war sie genauso aktiv in der Rettung jüdischer Menschen. Diese Gedenkstätte soll das ändern, ihre Bedeutung hervorheben und den Mut der beiden Schindlers in den Vordergrund rücken. Nach dem Krieg versuchten sie, gemeinsam mit den geretteten Menschen, die Grenze zur Schweiz zu überqueren, wurden jedoch zurückgewiesen. Diese Episode war der Anstoß für die Idee einer Gedenkstätte.

Der Entwurf und seine Symbolik

Der Entwurf der Gedenkstätte, den Künstler Hans Thomann mitentwickelt hat, zeigt die Schindlers und einen geöffneten Schlagbaum. Dieser Schlagbaum ist nicht einfach ein Hindernis – er symbolisiert Grenze, Hoffnung und Freiheit. Der Titel „SCHLAG.BAUM“ verbindet die Idee des Grenzschlagbaums mit einem Baum, der für Leben und Wachstum steht. Es ist ein kraftvolles Bild, das zum Nachdenken anregt und zum Handeln motivieren soll.

Wolfgang Münst, der Vorstandsvorsitzende der Crescere Stiftung Bodensee, und Katrin Brüggemann von der Initiative Stolpersteine arbeiten gemeinsam an diesem Projekt. Die Gedenkstätte wird voraussichtlich 2028 realisiert und könnte an verschiedenen Standorten am Grenzbach, etwa dem Döbele oder der Grenzbachstraße, entstehen. Die genaue Lage steht noch nicht fest, aber die Bedeutung des Ortes wird nicht zu unterschätzen sein.

Ein Blick auf Oskar Schindlers Leben

Oskar Schindler, geboren im April 1908 in Zwittau, Österreich-Ungarn, war ein komplexer Charakter. Aufgewachsen in einer wohlhabenden Familie, belastet durch den Alkoholismus seines Vaters, erlebte er eine wechselvolle Jugend. Mit 16 wurde er von der Schule verwiesen, begann eine Lehre im väterlichen Betrieb und heiratete 1928 Emilie Pelzl. Schindler trat 1935 der Sudetendeutschen Partei bei und wurde später auch Mitglied der NSDAP. Seine Fabrik in Krakau, die Deutsche Emaillewarenfabrik, wurde während des Krieges zur Lebensader für viele Juden.

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Durch Bestechung und Fälschungen rettete Schindler zahlreiche jüdische Arbeiter vor der Deportation. Sein mutiges Handeln, das oft als spektakulär und heroisch bezeichnet wird, rettete 1.200 Menschen vor dem sicheren Tod. Er erstellte Listen, auf denen alle jüdischen Arbeiter als unverzichtbare Arbeitskräfte erfasst wurden. Ein bemerkenswerter Aspekt seiner Geschichte ist, dass er sich während des Krieges mit dem Lagerkommandanten Amon Göth anfreundete, um seine Arbeiter zu schützen. Nach dem Krieg lebte er in verschiedenen Ländern, darunter Argentinien und Deutschland, und konnte nie an seine früheren Erfolge anknüpfen. Schindler starb 1974 in Hildesheim.

Ein Vermächtnis für die Nachwelt

Die Gedenkstätte wird auch ein Ort des Lernens und der Reflexion sein. Sie soll die Menschen anregen, Zivilcourage zu zeigen und für das einzustehen, was richtig ist. In einer Zeit, in der Toleranz und Menschlichkeit oft auf der Strecke bleiben, ist dieses Denkmal ein wichtiger Schritt. Die Geschichten der Schindlers und der von ihnen geretteten Menschen sind nicht nur Teil der Geschichte, sondern auch Teil unserer Verantwortung gegenüber der Zukunft. Die von Oskar Schindler geretteten Juden, die sich selbst als „Schindlerjuden“ bezeichneten, haben ein Erbe hinterlassen, das auch heute noch relevant ist.

Die Gedenkstätte „SCHLAG.BAUM“ wird nicht nur an die Taten des Paares erinnern, sondern auch an die Herausforderungen und Kämpfe, die der Mensch für die Menschlichkeit durchstehen muss. Was für ein beeindruckendes Vorhaben!