In der Geschichte Deutschlands gibt es viele faszinierende Kapitel, und eines davon ist die Gründung des Bund Religiöser Sozialisten im Sommer 1926. Diese Vereinigung, die unter dem Einfluss von Erwin Eckert, einem evangelischen Pfarrer aus Meersburg, entstand, stellte eine interessante Verbindung von Glauben und sozialistischer Ideologie dar. Eckert, der seit 1911 Mitglied der SPD war und sich 1914 als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg meldete, kehrte nach dem Krieg als Kriegsgegner zurück. Seine Erfahrungen prägten ihn und führten ihn dazu, sich vehement gegen den aufkommenden Nationalsozialismus zu positionieren.
Von November 1930 bis Juli 1931 warnte er in leidenschaftlichen Reden vor den Gefahren des Faschismus. Diese Auftritte machten ihn zu einer wichtigen Stimme im Widerstand. 1933 wurde er aufgrund der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ in „Schutzhaft“ genommen. Ein Jahr später folgte ein Urteil wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ – eine Strafe von 3 Jahren und 8 Monaten Zuchthaus. Nach seiner Freilassung 1941 lebte er unter Polizeiaufsicht und arbeitete zeitweise als Buchhändler in Frankfurt/Main. Der Einfluss von Eckert auf die politische Landschaft war enorm, nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern auch darüber hinaus.
Der Weg des Widerstands
Erwin Eckert war nicht nur ein Pfarrer, sondern auch ein mutiger Kämpfer für soziale Gerechtigkeit. 1926 bis 1931 war er geschäftsführender Vorsitzender des Bundes der Religiösen Sozialisten Deutschlands (BRSD) und vertrat innerhalb dieser Organisation oft marxistische Positionen, die im Gegensatz zu reformsozialistischen Ansichten standen. Seine Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem als Herausgeber des „Sonntagsblatts des arbeitenden Volkes“ und der Zeitung „Der religiöse Sozialist“, war von entscheidender Bedeutung. Er warnte ab Ende November 1930 vor der wachsenden Gefahr des Nationalsozialismus. Auf einer SPD-Veranstaltung in Neustadt wurde er von der SA provoziert, was seine Entschlossenheit nur weiter festigte.
Die Widerstände, die er erlebte, waren nicht ohne Folgen. Ein Redeverbot des evangelischen Oberkirchenrats ignorierte er, und seine leidenschaftlichen Reden vor Tausenden von Menschen, wie beispielsweise in Pforzheim, machten ihn zu einer Schlüsselfigur im Widerstand. Der Druck auf ihn nahm zu, und nach einem Protest von etwa 100.000 Kirchenmitgliedern für seine Wiedereinsetzung wurde er schließlich wieder als Pfarrer eingesetzt, jedoch blieb das Redeverbot bestehen. Sein Ausschluss aus der SPD am 2. Oktober 1931 und der anschließende Beitritt zur KPD markierten einen Wendepunkt in seinem Leben. Trotz seiner Entlassung aus der Kirche blieb er gläubiger Christ und kämpfte weiter für seine Überzeugungen.
Ein Vermächtnis der Erinnerung
Das Vermächtnis von Erwin Eckert ist auch heute noch spürbar. In Meersburg, der Stadt, die er einst als Pfarrer betreute, gibt es noch Spuren seiner Tätigkeit. Zum Beispiel steht das Alte Pfarrhaus, das mittlerweile als Ferienhaus dient, als stiller Zeuge seiner bewegten Geschichte. Seine Worte und Taten haben viele inspiriert, und das nicht nur in der Vergangenheit. Ein neues Buch mit dem Titel „Nicht wie Feuer und Wasser. Was wir von den religiösen Sozialisten in der Weimarer Zeit lernen können“, herausgegeben von Franz Segbers und Peter Ulrich, würdigt die Arbeit des Bund der Religiösen Sozialisten und ähnlicher Organisationen. Diese Veröffentlichung fand im Rahmen des Katholikentags 2026 in Würzburg statt und zeigt, dass die Erinnerungen an solche Kämpfer für soziale Gerechtigkeit lebendig gehalten werden.
Aber nicht nur in Würzburg wird das Erbe von Eckert gewürdigt. Der 2025 gegründete Rosa-Luxemburg-Club Konstanz, eine lokale Untereinheit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg, engagiert sich in der politischen Bildungsarbeit und organisiert Veranstaltungen zu Themen wie Kapitalismuskritik und Antifaschismus. Diese Initiativen zeigen, dass die Diskussion über soziale Gerechtigkeit und den Widerstand gegen Unrecht auch in der heutigen Zeit von großer Bedeutung ist.
Erwin Eckert war mehr als nur ein Pfarrer oder ein Politiker; er war ein Volkstribun, der die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung zu überwinden suchte. Auch wenn er in den Jahren des Nationalsozialismus viel erlitten hat, bleibt sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit und der Glaube an eine bessere Welt ein inspirierendes Beispiel. Und so bleibt Eckerts Wahlspruch, „Dem Ganzen dienen, sich selbst treu bleiben“, ein Leitstern für viele, die sich auch heute noch für ein gerechteres Miteinander einsetzen.