Im Parkhaus Süd der Universität Konstanz steht ein ganz besonderes Kunstwerk, das seit 1974 die Gemüter erhitzt und die Phantasie anregt: der Betonporsche von Gottfried Bechtold. Diese Installation, ein originalgetreuer Betonabguss seines eigenen Porsches 911, ist nicht nur ein schlichtes Kunstwerk, sondern vielmehr ein Diskussionsthema, das durch seine schlichte, aber provokante Erscheinung polarisiert. Ursprünglich grau, hat der Porsche im Laufe der Jahre viel durchgemacht. Vandalismus, Farbattacken und die Unbill der Witterung haben Spuren hinterlassen, und doch – oder vielleicht gerade deswegen – ist der Betonporsche ein faszinierendes Stück Kunstgeschichte.

Die Restauratorin Denise Madsack hat sich seit 2018 intensiv mit der Geschichte des Betonporsches beschäftigt. In ihrer Promotion erforscht sie Kunst am Bau und hat sogar ein Buch über zwölf Fallbeispiele aus Baden-Württemberg verfasst. „Irritiert und provoziert“, beschreibt sie das Kunstwerk, und sie sieht die Veränderungen, die es im Laufe der Zeit erfahren hat, als integralen Bestandteil seiner Geschichte. Bechtold selbst, der Schöpfer, ist gegen eine Rückführung zum Ursprungszustand und möchte, dass die Spuren des Verfalls und der Zerstörung erhalten bleiben. Madsack plädiert dafür, die geschichtlichen Veränderungen bei einer möglichen Restauration zu bewahren, denn der Betonporsche soll an seinem Standort bleiben, um seinen Werdegang nicht zu verlieren.

Ein Jubiläum, das die Wellen schlägt

2021 feierte der Betonporsche, auch liebevoll „Der Konstanzer“ genannt, seinen 50. Geburtstag. Zu diesem Anlass gab es eine ganze Reihe von Feierlichkeiten und Aktivitäten. Unter anderem wurden 911 kleinformatige Porsches, etwa 20 cm lang, gegossen und in einer Jubiläumsausstellung präsentiert. Ein Teil dieser kleinen Kunstwerke soll nach Konstanz kommen und im Foyer der Universität von Ende Februar bis Mitte März 2023 ausgestellt werden. Das klingt spannend, oder?

In der Vorbereitungsphase zu dieser Ausstellung erarbeiten Studierende in Gruppenarbeit unterschiedliche Konzepte. Von Künstlergesprächen bis hin zu Führungen – die Ideen sprudeln nur so. Birgit Rucker vom Fachbereich LKM und Norbert Müller, der Kunstbeauftragte des Landesamts Vermögen und Bau Baden-Württemberg, werden das Konzept „Kunst am Bau“ vorstellen. Anmeldung zur SQ ist ab sofort möglich. Das ist eine großartige Chance für alle, die sich für Kunst und deren Einfluss auf den Alltag interessieren!

Der Künstler und seine Vision

Gottfried Bechtold, geboren am 1. August 1947 in Bregenz, ist ein faszinierender Künstler, dessen Arbeiten stark von seiner Familie beeinflusst sind. Sein Vater war Steinmetz, und sein Großonkel war ein bekannter Bildhauer. Diese Wurzeln prägen sein Schaffen, das über die Bildhauerei hinausgeht – Bechtold experimentiert auch mit Film, Video und modernen Technologien. Eine seiner bekanntesten Arbeiten, neben dem Betonporsche, ist die Interkontinentale Skulptur im Austria Center Vienna, die durch einen sich verändernden Laserstrahl verbunden wird. Man könnte sagen, er ist ein Künstler, der die Grenzen des Machbaren immer wieder neu auslotet.

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Auf der Documenta 5 in Kassel realisierte Bechtold die Arbeit „100 Tage Anwesenheit in Kassel“. Auch heute noch überrascht er mit neuen Ideen und beeindruckt mit seinen Kunstwerken, die die Betrachter zum Nachdenken anregen. Und wie das Leben so spielt: Im Herbst 2016 wurde er mit einer umfassenden Einzelausstellung im Lentos Linz gewürdigt. Wer hätte gedacht, dass ein Betonporsche so viele Facetten in sich trägt?

Wenn man durch das Parkhaus der Universität Konstanz schlendert, merkt man schnell, dass dieser Betonporsche mehr ist als nur ein Kunstwerk. Er ist ein Stück Geschichte, ein Ort der Diskussion und ein Symbol für die Verflechtung von Kunst und Alltag. Und während sich die Farben auf seiner Oberfläche weiterhin verändern, bleibt die Faszination für diese Installation ungebrochen.