Heute ist der 13.05.2026 und die Stadt Karlsruhe steht vor einer Herausforderung, die nicht nur die Gärten, sondern auch die Gemüter der Anwohner bewegt. Eingeführt durch Pflanzentransporte aus dem Mittelmeerraum, haben sich zwei invasive Ameisenarten, Tapinoma magnum und Lasius neglectus, in der Stadt niedergelassen. Diese kleinen Krabbeltiere sind nicht einfach nur lästig – sie können Superkolonien bilden und dringen rasant in neue Areale vor. Besonders in der Oststadt, Knielingen und Neureut haben sich bereits große Kolonien etabliert, darunter sogar drei Superkolonien. Ein besonders besorgniserregendes Beispiel ist Neureut, wo Tapinoma magnum ein Gebiet von rund 70 Hektar besetzt hat. Hier schwirren Millionen von Ameisen und tausende Königinnen umher und das, obwohl diese Art in Deutschland noch nicht offiziell als invasiv gelistet ist.
Die Stadtverwaltung hat nun die Initiative ergriffen, um diesen kleinen Plagegeistern den Kampf anzusagen. Mit einem mobilen Heißwasserdampfgerät, das ganz ohne Insektizide oder Biozide auskommt, soll die Bekämpfung der Ameisen beginnen. Erste Erfolge sind bereits sichtbar – kleinere Vorkommen konnten erfolgreich ausgemerzt werden. Dennoch ist die Aufgabe riesig und die Bekämpfung in Neureut wird wohl mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Anwohner sind gefragt: Nur wenn sie bereit sind, sich zu beteiligen, kann die Stadt auch im privaten Bereich tätig werden. Und hier liegt das Problem. Einige Nachbarn sind schwer von der Notwendigkeit einer gezielten Bekämpfung zu überzeugen. Doch es gibt auch Hoffnung: Einige Anwohner schließen sich zusammen, um ein eigenes Heißwasserdampfgerät anzuschaffen. Ein solches Gerät kostet rund 30.000 Euro, was eine erhebliche Investition darstellt. Aber wenn’s hilft, warum nicht?
Die Herausforderungen der invasiven Ameisen
Ein Blick auf die Verbreitung zeigt, dass Tapinoma magnum nicht nur in Karlsruhe ein Problem ist. Auch in anderen Teilen Deutschlands, insbesondere in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Köln und Hannover, breitet sich diese Ameise aus. Die Problematik ist vielfältig. Diese Ameisen dringen in Häuser ein, verursachen Strom- und Internetausfälle und unterhöhlen sogar Böden, was in einem Spielplatz in Kehl zur Schließung führte. Superkolonien mit Hunderttausenden bis Millionen von Ameisen sind keine Seltenheit. Tatsächlich wurde Tapinoma magnum erstmals 2009 in Rheinland-Pfalz nachgewiesen und hat sich seitdem rasant verbreitet. Die Bekämpfung gestaltet sich schwierig, da sie den heimischen Ameisen zum Verwechseln ähnlich sieht.
Die Stadt Karlsruhe plant deswegen eine „Ameisen-weg-Woche“, um die Anwohner zu sensibilisieren und zu informieren. Wissenschaftler von der PH Karlsruhe arbeiten unterdessen an einfachen Methoden zur Bekämpfung der Ameisen. Ein Vorfall mit einem externen Schädlingsbekämpfer hat jedoch gezeigt, wie heikel die Situation ist: Hohe Kosten und Probleme für Anwohner, die ihre Gärten nicht mehr betreten können, waren die Folge. Umweltstaatssekretäre bezeichnen die Ameise als „Schädling“, auch wenn sie rechtlich nicht so eingestuft ist. Dennoch sind kurzfristige Allergien ausgeschlossen, und die Übertragung von Krankheiten bleibt ebenfalls ein nicht gegebenes Risiko. Bei der Bekämpfung ist es vor allem wichtig, die Anzeichen der Ameisen zu erkennen. Sandhügel an Bordsteinen und Gehwegen, sowie ein unangenehmer Geruch nach ranziger Butter beim Zerdrücken, sind klare Indikatoren.
Insgesamt zeigt sich, dass die Bekämpfung von invasiven Arten wie Tapinoma magnum nicht nur eine Aufgabe für die Stadtverwaltung, sondern für die gesamte Gemeinschaft ist. Nur gemeinsam können die Karlsruher die kleinen Eindringlinge in ihre Schranken weisen und den Frieden in ihren Gärten wiederherstellen.