Heute ist der 23.04.2026. In Karlsruhe breitet sich ein kleines, aber bedrohliches Ungeziefer aus: die Drüsenameise (Tapinoma magnum). Diese invasive Ameisenart hat ihren Ursprung im sonnigen Mittelmeerraum und findet sich mittlerweile in zahlreichen Stadtteilen der baden-württembergischen Stadt. Karen Eßer, die seit dem vergangenen Jahr als Ameisenkoordinatorin für Karlsruhe tätig ist, beschreibt die Situation als alarmierend. „Die Ameisen sind wirklich überall“, warnt sie. Das Problem ist nicht nur ein lokales Phänomen – die gesamte Rheinebene ist betroffen, und Berichte über diese Ameisenart reichen bis nach Hamburg und Dresden.
Die Drüsenameisen sind klein und schwarz und haben einen charakteristischen Geruch, der oft mit Glasreiniger oder ranziger Butter verglichen wird. Diese Ameisen bilden Superkolonien mit mehreren Königinnen, die ganze Straßenzüge umfassen können. Ein Grund für ihre erfolgreiche Ausbreitung ist der Klimawandel, der die Lebensbedingungen für viele invasive Arten verbessert hat. Hinzu kommt, dass in Deutschland kaum natürliche Fressfeinde existieren, die die Ausbreitung der Drüsenameisen eindämmen könnten.
Bedrohung für Infrastruktur und Lebensqualität
Die Gefahren, die von diesen kleinen Krabbeltieren ausgehen, sind nicht zu unterschätzen. Drüsenameisen können Gehwege unterhöhlen und stellen somit eine ernsthafte Bedrohung für die Fundamente von Wohnhäusern dar. Darüber hinaus dringen sie in Küchen und Vorratskammern ein, auf der Suche nach Nahrung. In einer nahegelegenen Stadt hat die Ameisenplage bereits zu Strom- und Internetausfällen geführt. Dies zeigt, dass die Auswirkungen der Invasion weitreichend sind und nicht nur die Natur, sondern auch die Lebensqualität der Menschen beeinträchtigen können.
Um dem wachsenden Problem entgegenzuwirken, hat die Stadt Karlsruhe reagiert und zwei professionelle Ameisenbekämpfer eingestellt. Zudem wurde ein Spezialgerät beschafft, das mit Wasserdampf arbeitet, um die Ameisen zu bekämpfen. Da in Deutschland keine Gifte gegen die Ameisen im Freiland zugelassen sind, kommen oft alternative Methoden wie heißes Wasser zum Einsatz.
Die Biologie der Drüsenameisen
Die Große Drüsenameise unterscheidet sich von heimischen Ameisenarten durch ihre Fähigkeit, Superkolonien zu bilden. Diese Kolonien bestehen aus vielen Königinnen, was ihnen einen enormen Fortpflanzungsvorteil verschafft. Wissenschaftler vermuten, dass ein sogenanntes „Supergen“ für die Vererbung dieser Eigenschaften verantwortlich ist. Die Arbeiterinnen sind zwischen 2 und 4 mm groß und können leicht mit der heimischen Schwarzen Wegameise (Lasius niger) verwechselt werden. Das Erkennen der Art erfordert oft aufwändige mikroskopische Messungen.
Die Drüsenameise ist nicht nur eine Herausforderung für die Stadt Karlsruhe, sondern auch ein Beispiel für die weitreichenden Auswirkungen, die Globalisierung und Klimawandel auf die Artenverbreitung haben können. In Deutschland leben insgesamt 13 invasive Ameisenarten, die ähnliche Eigenschaften aufweisen und die Biodiversität gefährden. Die Bekämpfung dieser Arten ist ein wichtiger Schritt, um die Stabilität der Ökosysteme zu sichern, und die Bemühungen in Karlsruhe sind ein bedeutender Anfang, um das drohende Unheil einzudämmen.