Der schwarze Kubus: Ein Geheimtipp der Architektur in Köln-Müngersdorf
In Köln-Müngersdorf thront ein schwarzer Kubus aus Eifeler Basalt, der wie ein Geheimtipp in der Architekturwelt wirkt. Er ist nicht nur ein Bauwerk, sondern ein Ort der Inspiration – entworfen von niemand Geringerem als dem gefeierten Architekten Oswald Mathias Ungers. Im Jahr 1989 erbaut, fungiert dieser Kubus als Privatbibliothek und beherbergt über 10.000 Bücher, die sich um Architektur und Stadtplanung drehen. Es ist ein Ort, wo sich die Leidenschaft für die Baukunst mit dem Wissen der Stadtplanung vermischt.
Die Bibliothek ist Teil des „Ungers Archiv für Architekturwissenschaft“, das von Sophia Ungers und Anja Sieber-Albers geleitet wird. Hier ist der Innenraum eine geometrische Komposition, die Ungers‘ Vorliebe für das Quadrat eindrucksvoll zur Schau stellt. Auch die Schätze im Untergeschoss sind bemerkenswert: Ungers‘ Nachlass, bestehend aus Vorträgen, Schriften, Fotos und Skizzen, die sein Leben und Schaffen dokumentieren. Es ist ein Ort, an dem Architekten und Wissenschaftler auf ihre Kosten kommen und spannende Führungen durch das Archiv angeboten werden.
Ein Erbe der Architektur
Oswald Mathias Ungers wurde 1926 in Kaisersesch, Rheinland-Pfalz, geboren und wuchs in Mayen auf. Sein Studium an der Technischen Hochschule Karlsruhe legte den Grundstein für eine beeindruckende Karriere. 1950 eröffnete er sein erstes Büro in Köln, und wenig später entstanden bedeutende Bauwerke in Städten wie Karlsruhe, Hamburg und Frankfurt. Besonders hervorzuheben ist seine Gestaltung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, wo er den Genius Loci berücksichtigte und Elemente der gegenüberliegenden Kirche harmonisch integrierte.
Seine bekanntesten Bauten – die Residenz des Deutschen Botschafters in Washington und das Wallraff-Richartz-Museum in Köln – zeugen von seiner Innovationskraft und seinem tiefen Verständnis antiker Architektur. Ungers‘ Liebe zu klassischen Formen fand auch Ausdruck in seiner „Villa Glashütte“ in Utscheid, die an Palladios Villa Rotonda erinnert. Tragischerweise war der Eingangsbereich der Kaiserthermen in Trier sein letztes Projekt vor seinem Tod im Jahr 2007.
Das Ungers Archiv – Ein Ort des Dialogs
Die Stiftung UAA, die im ehemaligen Wohn- und Bürohaus von Ungers in Köln ansässig ist, hat sich zum Ziel gesetzt, das architektonische Erbe zu bewahren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der denkmalgeschützte Komplex, der 1958/59 erbaut und 1989/90 erweitert wurde, bietet nicht nur eine Fachbibliothek, sondern auch einen einzigartigen Architektennachlass. Hier können Wissenschaftler*innen und Studierende forschen und lernen.
Die Stiftung sieht sich als Plattform für interdisziplinäre Diskurse in der Architekturwissenschaft. Geplant sind Aktivitäten wie Ausstellungen, Führungen und Workshops, die die Verbindung von Theorie und Praxis in der Architektur lehren. Wer hätte gedacht, dass ein Ort, der einst das Zuhause eines der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts war, heute ein Zentrum für den architektonischen Austausch ist?
Ein Blick in die Zukunft
Ein Highlight in der kommenden Zeit wird die Ausstellung „O.M. Ungers – Architektur als Idee“ sein, die vom 22. Mai bis 27. September 2026 im Museum für Angewandte Kunst Köln stattfindet. Sophia Ungers hat sich zum Ziel gesetzt, das Erbe ihres Vaters durch Führungen, Vorträge und Ausstellungen weiterzutragen. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich das Archiv und die Stiftung als lebendige Orte der Architekturwissenschaft entwickeln, die nicht nur die Vergangenheit ehren, sondern auch die Zukunft gestalten.
Die Kombination aus einem öffentlich zugänglichen „Haus-Museum“, einer Fachbibliothek und einem Architektennachlass ist in Deutschland einmalig. Umso mehr lohnt es sich, diesen Ort zu besuchen, um in die Welt der Architektur einzutauchen und die Ideen eines der großen Meister der Architektur zu erleben. Vielleicht findet sich bei einem Rundgang durch die Bibliothek ja auch die ein oder andere Inspiration für die eigene kreative Arbeit!
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