Die kleinen Bio- und Naturkostläden in Baden-Württemberg stehen unter Druck. Der Konkurrenzkampf mit riesigen Supermarktketten wird zusehends härter. Man könnte fast meinen, die großen Märkte hätten die kleinen Läden in eine Zwickmühle gedrängt. Und doch gibt es sie noch, die kleinen, feinen Geschäfte, die mit Leidenschaft und Hingabe regionale Produkte anbieten. Ein Beispiel dafür ist das Hofgut Martinsberg in Rottenburg am Neckar, wo Betreiber Severin Hauenstein großen Wert auf Tierwohl und eigene Aufzucht legt. Gleichzeitig leidet er unter dem Preisdruck, der durch die großen Handelsketten entsteht.

Die höheren Produktionskosten spiegeln sich in den Preisen wider – und das ist ein Dilemma. Jüngere Menschen in der Region haben ein Herz für Bio-Lebensmittel, doch viele greifen trotzdem lieber zu den Angeboten der großen Supermärkte oder Bio-Supermärkte, die oft nicht einmal regional sind. Diese Entwicklung ist bedenklich, denn sie gefährdet die Existenz der kleinen Betriebe. Hauenstein hat festgestellt, dass die großen Märkte einfach nicht die Preise zahlen, die er für seine Eier benötigt. Die Eier vom Hofgut Martinsberg finden immerhin ihren Weg in den Tübinger Marktladen, aber auch dieser kann sich preislich nicht mit den großen Ketten messen.

Der Tübinger Marktladen im Wandel

Ein Lichtblick ist der Tübinger Marktladen, der als Genossenschaft weitergeführt wird, nachdem die bisherigen Inhaber in Rente gehen. Hier stehen Lennart Schinkel und Giulia Hille an der Spitze und betonen die Notwendigkeit gemeinschaftlicher Unterstützung. Tübingen hat eine finanzkräftige Kundschaft, die durchaus Interesse an regionalen Produkten zeigt. Und genau hier setzt die Genossenschaft an: Sie möchte eine Zukunft für den Betrieb sichern und den Kunden die Möglichkeit geben, sich aktiv einzubringen.

Leider ist der Druck auf kleine Bio-Märkte nicht nur lokal zu spüren. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) berichtete kürzlich von einem Wachstum des Bio-Marktes von 5 Prozent im Jahr 2023, trotz der Herausforderungen, mit denen kleinere Läden konfrontiert sind. Während große Unternehmen wie Alnatura und Denns den Markt dominieren, kämpfen viele kleinere Bio-Läden ums Überleben. Die großen Handelsketten wie Rewe, Edeka, Aldi und Lidl haben die Bio-Segmente ihrer Angebote ausgebaut, was die Position der kleinen Bioläden zusätzlich schwächt.

Ein Blick auf den Bio-Markt

Die Zahlen sprechen für sich: 2022 wurden in Deutschland Biolebensmittel im Wert von 16 Milliarden Euro verkauft. Aber – und hier wird es spannend – 80 Prozent dieser Umsätze stammen von herkömmlichen Handelsketten. Und während der Corona-Lockdown den Bio-Umsatz auf ein Rekordniveau steigen ließ, hat sich die Marktlandschaft danach nicht merklich verbessert. Mangelnde Organisation und Managementfehler setzen viele Biohandelsketten unter Druck, was zur Insolvenz von Unternehmen wie der Münchner Basic AG oder der Leipziger Biomare GmbH führte.

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Die Branche mag also wachsen, aber sie ist auch im Wandel. Alnatura, gegründet von Götz Rehn, hat sich auf die Läden in Universitätsstädten spezialisiert und bietet 1.400 Produkte unter eigener Marke an. Das Unternehmen ist profitabel, aber die Herausforderungen bleiben. Am Ende des Tages sind es die kleinen Läden, die das Herz des Bio-Marktes ausmachen – aber diese stehen, wie man sieht, oft auf der Kippe.

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