Die Erwartungen an die neue grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg sind hoch, und das nicht nur bei den Bürgern. Reinhold Würth, der ehemalige Chef der Würth-Gruppe, hat seine Stimme erhoben und fordert klare Maßnahmen. „Weniger Bürokratie, weniger Regulierung und schnellere Genehmigungsverfahren“, das sind seine zentralen Anliegen. Er erinnert uns an die Zeiten von Lothar Späth, als nach dessen Amtsantritt viele hinderliche Erlass und Verfügungen abgeschafft wurden. Und genau das braucht es heute wieder.
Würth spricht nicht nur von den Zahlen und Fakten, sondern auch von einer Kultur der Begeisterung und der Lust an der Arbeit. Er sieht die Veränderungen als notwendig an, um Unternehmen nicht nur zu gründen, sondern auch zum Blühen zu bringen. Da passt es gut ins Bild, dass im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU festgeschrieben ist, Unternehmensgründungen künftig innerhalb von zwei Tagen zu ermöglichen. Ein ambitioniertes Ziel, das allerdings nur dann realistisch bleibt, wenn der Bürokratiedschungel endlich gelichtet wird. Schüsseltechnologien sollen gezielt gefördert werden – Würth sieht hier großes Potenzial.
Ein neuer Wind weht
Mit Cem Özdemir an der Spitze der neuen Regierung gibt es frischen Wind in der Landespolitik. Würth beschreibt ihn als klugen, weltgewandten Mann und zieht Vergleiche zu seinem Vorgänger Winfried Kretschmann. Die Koalition hat sich laut Würth die Wirtschaft zur obersten Priorität erklärt – nur die Umsetzung zählt! „Politiker sollten an ihren Taten gemessen werden, nicht an ihren Ankündigungen“, ist eine seiner klaren Botschaften. Was bringt es, groß zu reden, wenn am Ende nichts passiert? Das Land muss seinen Einfluss auf Bundes- und EU-Ebene geltend machen, um das Unternehmertum zu fördern. Wenn wir ehrlich sind, ist das die einzige Chance, um im globalen Wettbewerb nicht unterzugehen.
Es ist kein Geheimnis, dass Bürokratie oft wie ein Klotz am Bein wirkt. Würth fordert eine Veränderung der Verwaltungskultur: von einem „Nein, weil …“ zu einem „Ja klar!“. Ein einfaches, aber wirkungsvolles Prinzip. Diese Gedanken sind nicht allein auf Baden-Württemberg beschränkt. Auch auf Bundesebene gibt es Bestrebungen, die Bürokratie einzudämmen. Der Staatssekretärsausschuss „Staatsmodernisierung und Bürokratierückbau“ wurde im August 2025 ins Leben gerufen, mit dem klaren Ziel, bürokratische Hürden abzubauen. Was da auf dem Tisch liegt, ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern ein ernsthaftes Unterfangen.
Bürokratieabbau als gemeinsame Mission
Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat die Federführung für den Bürokratierückbau übernommen. Der parlamentarische Staatssekretär Philipp Amthor leitet den Ausschuss, der ressortübergreifende Maßnahmen koordiniert. Ein neues Portal namens „EinfachMachen“ wird bald starten, um Bürgern, Unternehmen und Verwaltungsmitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Ein Schritt, der für frischen Wind in der Verwaltung sorgen könnte.
Zusätzlich gibt es den Nationalen Normenkontrollrat (NKR), der schon seit 2006 existiert und eine beratende Funktion für den Bund hat. Hier wird darauf geachtet, dass neue Gesetze und Verordnungen nicht nur auf dem Papier gut aussehen, sondern auch praktisch umsetzbar sind. Die Idee, bürokratiearme Gesetze zu schaffen, ist ein Ziel, das sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene verfolgt wird. Die Kooperationen mit den Bundesländern zeigen, dass man gemeinsam an einem Strang zieht. Vielleicht ist es genau diese Art von Vernetzung, die den nötigen Fortschritt bringt.
Der Weg ist noch lang, aber die ersten Schritte sind gemacht. Es bleibt spannend zu beobachten, ob die neue Landesregierung die hohen Erwartungen erfüllen kann. Im Hohenlohekreis sind die Menschen bereit für Veränderungen – und es ist höchste Zeit, dass aus Worten Taten werden. Die Zukunft des Unternehmertums in Baden-Württemberg hängt davon ab, wie schnell und konsequent diese Veränderungen umgesetzt werden.