In Gaildorf, einer kleinen Stadt im Kreis Schwäbisch Hall, stehen die Zeichen auf Sturm. Hier drohen massive Kürzungen in der Schulsozialarbeit an Grundschulen. Der Kreistag plant, die Förderzuschüsse zur Schulsozialarbeit zu halbieren. Das klingt nicht nur nach einer schlechten Nachricht – es ist eine, die die Zukunft vieler Kinder und die Stabilität der Gemeinde gefährden könnte. Wenn man bedenkt, dass der Gemeinderat erst im Mai über die weitere Vorgehensweise entscheiden will, schwirren bereits jetzt viele Fragen und Sorgen durch die Köpfe der Verantwortlichen und der Eltern.

In den letzten Jahren haben die Stadt- und Landkreise in Heilbronn-Franken ihre Förderungen tendenziell erhöht, doch die Kassen sind leer. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg hebt die Bedeutung der Schulsozialarbeit zur Gewaltprävention hervor. In Heilbronn hat sich die Zahl tatverdächtiger Kinder bei Gewaltkriminalität im letzten Jahr verdoppelt – eine alarmierende Entwicklung, die sich nicht ignorieren lässt. Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass die Schulsozialarbeit einen direkten Einfluss auf die Prävention von Jugendkriminalität hat, wird die Dringlichkeit umso klarer.

Schulsozialarbeit – ein unverzichtbares Element

Schulsozialarbeit ist nicht einfach nur ein weiterer Punkt auf der Liste der Jugendhilfe. Sie findet direkt in den Schulen statt und vermittelt wertvolle soziale Kompetenzen. Fachkräfte agieren hier als Vertrauenspersonen, die nicht nur Krisenhilfe leisten, sondern auch Bildungsbenachteiligung vorbeugen. Das Konzept basiert auf professioneller sozialpädagogischer Tätigkeit und hat sich in der Vergangenheit als äußerst effektiv erwiesen. Eine Studie von Katharina Drescher hat gezeigt, dass Schulsozialarbeit die Jugendkriminalität um bis zu 17 Prozent reduzieren kann, bei schweren Gewaltdelikten sogar um rund 25 Prozent. Das geht unter die Haut!

Die Finanzierung dieser wertvollen Arbeit erfolgt durch Städte, Gemeinden und Zuschüsse vom Land – derzeit sind das etwa 45 Millionen Euro jährlich bis 2026. Doch was passiert, wenn in Gaildorf die fünf Stellen für Schulsozialarbeit auf nur 2,5 Stellen reduziert werden? Das würde bedeuten, dass die Fachkräfte sich hauptsächlich auf weiterführende Schulen konzentrieren müssen, während die Grundschulen, die oft die erste Anlaufstelle für Probleme sind, im Regen stehen gelassen werden. Eine Entscheidung über die Kürzungen soll am 20. Mai im Gemeinderat fallen – das Datum wird mit Spannung erwartet.

Wissenschaftliche Erkenntnisse hinter der Schulsozialarbeit

Die wertvollen Ergebnisse von Dreschers Forschung sind nicht nur Zahlen auf einem Blatt Papier. Sie basieren auf der Analyse von etwa 800.000 Straftaten von unter 19-Jährigen in Baden-Württemberg zwischen 2006 und 2018. Dabei wurden auch regionale Statistiken zu Schulleistungen berücksichtigt, um die Wirkung der Schulsozialarbeit besser zu verstehen. Der Ansatz ähnelt einem natürlichen Experiment, das es ermöglicht, kausale Effekte isoliert zu betrachten. Und die Effekte sind eindeutig: Zusätzliche Fachkräfte an Schulen senken die Jugendkriminalität um durchschnittlich 2 bis 3 Prozent pro Jahr. Das sollte doch jeden überzeugen, oder?

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Die Schulsozialarbeit wurde nach dem Amoklauf von Winnenden 2009 in Baden-Württemberg erheblich ausgeweitet. Es war ein Wendepunkt, der das Bewusstsein für die Bedeutung dieser Unterstützung schärfte. Die zusätzlichen Fachkräfte, die seitdem eingestellt wurden, haben nicht nur geholfen, die Zahlen im Bereich der Jugendkriminalität zu senken, sondern auch dazu beigetragen, dass weniger Schüler sitzenbleiben. Das alles spricht Bände über den gesellschaftlichen Nutzen der Schulsozialarbeit – und dass der Nutzen die Kosten bei weitem übersteigt.

Die aktuelle Förderrichtlinie stammt aus dem Jahr 2008 und wird nun überarbeitet. Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichen in Gaildorf und darüber hinaus die Bedeutung der Schulsozialarbeit erkennen und entsprechend handeln. Denn wie könnte man in der heutigen Zeit das Wohl der Kinder und Jugendlichen, die Zukunft unserer Gesellschaft, aufs Spiel setzen? Die Antwort darauf wird am 20. Mai im Gemeinderat fallen. Hoffen wir, dass die Entscheidung weise getroffen wird und die Schulsozialarbeit nicht auf der Strecke bleibt.