Mutiger Protest im Neckar: Audi-Mitarbeiter schwimmt für den Erhalt des Werks
Am Montag, dem 20. Juli, wird es spannend im Neckar. Der Audi-Mitarbeiter Mehmet Topyürek hat eine ganz besondere Schwimmaktion geplant, die nicht nur eine sportliche Herausforderung ist, sondern auch ein starkes Zeichen der Solidarität für den Audi-Standort in Neckarsulm setzt. Wenn Topyürek um 11 Uhr bei der Kanu-Abteilung der Union Böckingen in die Fluten springt, wird er einen Weg von Heilbronn bis zum Audi-Werk in Neckarsulm zurücklegen – das sind etwa zehn Kilometer durch den Neckar. Und das Ganze wird nicht zum Spaß gemacht, sondern als Protestaktion gegen die drohende Schließung des Werks.
Es ist ein mutiger Schritt, denn die Strecke hat er bisher in dieser Länge noch nie im Wasser bewältigt. Sein Training beschränkte sich bislang auf 600 Meter, und jetzt plant er, über sechs Stunden im Wasser zu verbringen. Die Begleitung von Iris Heiser auf einem Stand-up-Paddle wird nicht nur für Sicherheit sorgen, sondern auch für die nötige Verpflegung. Unterwegs wird es auch einen Stopp an der Anna-Ziegler-Brücke geben, wo er vielleicht die ein oder andere aufmunternde Stimme aus dem Publikum hören kann. Topyürek ist bekannt als „Baumstammläufer“ – ein Name, der seine sportlichen Ambitionen gut widerspiegelt.
Hintergrund der Aktion
Die Schwimmaktion erfolgt vor dem Hintergrund einer ernsten Situation für Audi in Neckarsulm. Volkswagen plant den Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit und hat dabei auch die Schließung des Werks in Neckarsulm ins Visier genommen. Ein Widerstandskomitee, bestehend aus etwa 30 Audi-Beschäftigten und Unterstützern, hat sich bereits gebildet, um öffentlichen Druck aufzubauen. Die Empörung über die mögliche Schließung war selbst beim Heilbronner Volksfest spürbar, wo Unterschriften für mehr Mitbestimmung und gegen die Schließung gesammelt wurden. Ein Transparent mit diesen Unterschriften soll bei weiteren Aktionen präsentiert werden, um die Stimmen der Beschäftigten hörbar zu machen.
Die IG Metall hat bereits zu einem bundesweiten Protesttag gegen die Sparpläne aufgerufen, auch wenn bisher keine Warnstreiks geplant sind. Die Lage ist angespannt, und die Gespräche darüber, was mit dem Audi-Standort passieren wird, sind im vollen Gange. Der Oberbürgermeister von Neckarsulm, Steffen Hertwig, bezeichnete die mögliche Schließung als „völliges Desaster“ und verwies auf die Auswirkungen auf die rund 15.000 Arbeitsplätze, die von dieser Entscheidung betroffen sein könnten.
Ein Zeichen setzen
Mehmet Topyürek hat mit seiner Schwimmaktion nicht nur einen persönlichen Wettkampf vor Augen, sondern setzt auch ein Zeichen für seine Kollegen und die Gemeinschaft. Die Audi-Mitarbeiter sind besorgt über ihre Zukunft und fordern mehr Klarheit von der Konzernspitze. Während die Diskussionen über den Stellenabbau und die Schließungen weitergehen, bleibt abzuwarten, ob die Protestaktionen und die Solidarität der Beschäftigten ausreichen werden, um die Entscheidungsträger zum Umdenken zu bewegen. In der Zwischenzeit wird Topyürek am Montag ins Wasser springen, um für das zu kämpfen, was ihm und seinen Kollegen am Herzen liegt.
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