In Heilbronn gibt es derzeit viel Gesprächsstoff über die Lesekompetenz der Kinder. Die PISA-Studie 2022 hat uns einen klaren Blick auf die Herausforderungen gegeben, mit denen rund ein Viertel der unter 15-Jährigen konfrontiert ist. Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen von Texten – das betrifft nicht nur den Deutschunterricht, sondern zieht sich durch viele Fächer. Diese alarmierenden Erkenntnisse erfordern ein Umdenken, vor allem in Schulen wie der Fritz-Ulrich-Gemeinschaftsschule, wo Lehrerin Katja Röken von einer breiten Bandbreite an Lesefähigkeiten berichtet.
Doch was wird unternommen, um dem entgegenzuwirken? An Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen wird auf Extra-Training gesetzt. In den fünften Klassen wird das Lesen am Laptop geübt – Texte verschwinden im Nu, und die Schüler müssen anschließend Fragen beantworten. Viermal pro Woche, jeweils 20 Minuten, wird trainiert. Eine durchaus ambitionierte Maßnahme, die jedoch auch von den Bedingungen im Elternhaus abhängt. In vielen Familien haben sich die Voraussetzungen für eine gute Leseförderung in den letzten Jahren verschlechtert.
Neue Maßnahmen in Baden-Württemberg
Um die Leseschwäche gezielt anzugehen, führt Baden-Württemberg ab dem Schuljahr 2025/2026 eine zusätzliche Deutschstunde in Klasse 5 ein. Das klingt nach einem Schritt in die richtige Richtung. Schulen dürfen zudem weitere Förderstunden in Klasse 6 einsetzen. Feste Förderzeiten für das Lesetraining sollen helfen, mehr Schüler auf den Mindeststandard zu bringen. Lesestarke Kinder sollen dabei individueller gefördert werden. Die Unterstützung durch Materialien, Fortbildungen und spezielle Förderprogramme vom Kultusministerium ist ein weiterer Baustein in diesem Konzept. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat diese Maßnahmen zwar begrüßt, kritisiert jedoch den Mangel an zusätzlichem Personal. Laut GEW werden etwa 1.000 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer für die Grundschule gefordert, um die Lesedefizite frühzeitig aufzufangen.
Die PISA-Studie, die alle drei Jahre stattfindet, testet die Kompetenzen von 15-jährigen Jugendlichen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen. Im Jahr 2022 nahmen 690.000 Schüler und Schülerinnen aus 81 Ländern und Regionen daran teil. Der Schwerpunkt lag auf Mathematik, aber die Ergebnisse für Lesen sind ebenso besorgniserregend. In Deutschland sanken die Leistungen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen auf das niedrigste Niveau seit Beginn der PISA-Erhebung im Jahr 2000. Ein Rückgang, der teilweise auf die COVID-Pandemie zurückzuführen ist, aber auch schon vor der Pandemie in vielen OECD-Staaten zu beobachten war. In Deutschland sank die Lesekompetenz auf einen Punktestand von 480, was keinen signifikanten Unterschied zum OECD-Durchschnitt darstellt, aber dennoch einen alarmierenden Rückgang im Vergleich zu 2018 zeigt.
Ein besorgniserregender Trend
Die Zahlen sind eindeutig: 25,5 % der Jugendlichen gelten als leseschwach, ein Anstieg seit 2018. Gleichzeitig erreichen nur 8,2 % der Jugendlichen die oberen Kompetenzstufen – ein signifikanter Rückgang, der nicht ignoriert werden kann. Besonders auffällig ist, dass an Gymnasien die Lesekompetenz um 22 Punkte sank, während an nicht gymnasialen Schularten der Rückgang bei 16 Punkten liegt. Die Zahl der Jugendlichen unter Kompetenzstufe II hat mit 35,3 % an nicht gymnasialen Schularten den höchsten Wert seit 2012 erreicht.
Die Ergebnisse der PISA-Studie zeigen deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. Die Lesekompetenz ist eine Schlüsselqualifikation, die nicht nur für den schulischen Erfolg, sondern auch für die persönliche und berufliche Entwicklung unerlässlich ist. Ein Blick in die Zukunft ist nötig, um diesen Trend umzukehren und die Bildungschancen für alle Kinder zu verbessern. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Lesefähigkeit nicht nur eine schulische Angelegenheit ist, sondern auch stark von den Lebensbedingungen der Kinder abhängt.