Heidelberg – ein Ort des Wissens, des Wandels und bald auch der filmischen Erzählkunst. Hier, in dieser malerischen Stadt, laufen die Dreharbeiten zu „Herkunft“, einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Saša Stanišić. Ein Werk, das nicht nur die Bestsellerlisten eroberte, sondern auch mit dem Deutschen Buchpreis 2019 ausgezeichnet wurde. Das Besondere? Stanišić selbst ist nicht nur der Autor, sondern auch Teil des Ensembles – und das macht die ganze Sache noch spannender.
Die Dreharbeiten sind bereits in vollem Gange und fanden nicht nur in Heidelberg, sondern auch in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Kroatien statt. Die Kulisse, in der die Geschichte zum Leben erweckt wird, ist eine detailgetreue Nachbildung von Višegrad in den 1990er Jahren. Ein Ort, der für Stanišić eine ganz besondere Bedeutung hat, denn er floh 1992 mit seiner Familie aus Bosnien nach Deutschland. In „Herkunft“ geht es um Migration, um Erinnerungen und die oft schmerzhaften Erfahrungen von Geflüchteten. Regie führt Clara Zoë My-Linh von Arnim und das Drehbuch stammt von Senad Halilbašić. Es ist ein beeindruckendes Team am Werk, das die Geschichte von Saša, der sich von seiner Migrationsgeschichte emanzipieren will, auf die große Leinwand bringt.
Ein Blick hinter die Kulissen
Die Auswahl der Darsteller ist ebenso spannend wie die Geschichte selbst. Maro Lovrić verkörpert den jungen Saša, während Slavko Popadić die Rolle des erwachsenen Saša übernimmt. Und Stanišić? Er spielt eine kleine, aber feine Rolle. Es ist beeindruckend, wie die verschiedenen Darstellungen des Charakters miteinander verwoben sind – eine Art Mosaik, das die komplexen Facetten der Identität zeigt. Vor und hinter der Kamera wird oft kein Deutsch gesprochen, was die Authentizität der Erzählung unterstreicht. Viele im Ensemble haben ähnliche Migrationserfahrungen, und das verleiht dem Film eine besondere Tiefe und Wahrheit.
„Herkunft“ thematisiert auch die Emanzipation von der eigenen Geschichte, das Vergessen und die Bedeutung der Herkunft. Stanišić hat anfangs Bedenken geäußert, ob die mosaikartige Struktur seines Buches überhaupt für einen Film geeignet ist, doch die kreativen Köpfe hinter der Kamera scheinen einen Weg gefunden zu haben, diese Herausforderungen zu meistern. Die Kameraarbeit von Jieun Yi wird sicherlich dazu beitragen, die emotionale Tiefe der Geschichte einzufangen.
Ein zeitgemäßes Thema
Die Debatte um Migration und Flucht ist in Deutschland ein äußerst aktuelles und spannendes Thema. Viele Menschen haben finanzielle Bedenken, wenn es um Einwanderung geht. Tatsächlich zeigt eine Umfrage, dass jeder vierte Zugewanderte in Deutschland überlegt, das Land zu verlassen. Rassismus, der politische Rechtsruck und Diskussionen um die Leitkultur sind omnipräsent. Und während sich der Fokus der politischen Diskussion zunehmend von Geflüchteten hin zu Arbeitsmigranten aus Europa verschiebt, bleibt die Frage der Integration und der Wertschätzung von Vielfalt im Raum stehen.
„Herkunft“ könnte hier eine wichtige Rolle spielen. Der Film, unterstützt von verschiedenen Filmförderungen, darunter die Film- und Medienstiftung NRW, könnte nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen. Es ist nicht nur eine Geschichte über Migration, sondern auch über die Kunst, über Leben und Identität. Stanišić reflektiert während der Dreharbeiten über seine eigene Erinnerung und die Verbindung zwischen Kunst und Leben – ein Prozess, der sicherlich auch das Publikum ansprechen wird.
Der Kinostart ist für 2027 geplant, und während wir auf die Veröffentlichung warten, können wir uns auf eine fesselnde, emotionale Reise freuen, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. „Herkunft“ könnte ein Film werden, der die Zuschauer berührt und ihnen einen neuen Blick auf Migration und Identität eröffnet. Und das in einer Zeit, in der diese Themen relevanter denn je sind.