Heidelberg, wo die alten Druckmaschinen auf neue Herausforderungen treffen. Heidelberger Druckmaschinen AG hat in den letzten Handelstagen ein Wochenplus von fast 15 Prozent verzeichnet – ein Lichtblick in einem ansonsten stürmischen Geschäftsjahr. Mit einem Umsatz von 2,293 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025/26 hat das Unternehmen zwar eine leichte Steigerung erzielt, aber die eigene Prognose von 2,35 Milliarden Euro wurde knapp verfehlt. Das Ergebnis nach Steuern hat sich immerhin von 5 Millionen Euro auf 15 Millionen Euro verbessert. Doch der Währungsdruck hat ein Loch von 69 Millionen Euro im Umsatz gerissen.

Die Aufträge scheinen ebenfalls unter Druck zu stehen. Der Auftragseingang ist auf 2,25 Milliarden Euro gesunken, und der Auftragsbestand liegt jetzt bei 639 Millionen Euro. Um die Profitabilität zu steigern, verfolgt das Management eine Schrumpfstrategie. Über 550 Aufhebungsverträge wurden bereits abgeschlossen. Eine Umstellung, die bei vielen sicher nicht auf Begeisterung stößt, aber notwendig sein scheint. Und als ob das nicht genug wäre, plant Heidelberg den Aufbau eines neuen Produktionsstandorts in Nordmazedonien, wo die Lohnkosten auf einem Niveau liegen, das wir aus China kennen – der Beginn ist für 2026 anvisiert.

Ein Blick in die Zukunft: Drohnenabwehr und neue Geschäftsfelder

Im März 2023 wagte Heidelberg den Sprung in die Verteidigungstechnik und gründete das Joint Venture Onberg mit Ondas Autonomous Systems. Das Ziel? Autonome Drohnenabwehrsysteme zu entwickeln und mit einem Umsatz von mindestens 300 Millionen Euro in diesem Bereich in den kommenden Jahren Fuß zu fassen. Etwa 200 Mitarbeiter aus den Kerngeschäften sollen in diese neue Sparte wechseln. Das Defense-Segment trägt momentan weniger als zwei Prozent zum Gesamtumsatz bei und steckt noch in den Kinderschuhen. Die Systeme werden aktuell in Deutschland und der Ukraine unter realen Bedingungen getestet – spannend, oder? Aber messbare Vertragsabschlüsse stehen noch aus. Ob Onberg sich als echter Wachstumsbeitrag erweisen kann, werden die nächsten Quartale zeigen müssen.

Heidelberg hat seine syndizierte Kreditlinie auf 436 Millionen Euro aufgestockt und bis 2030 verlängert. Das ist eine klare Ansage, dass man auch in stürmischen Zeiten nicht aufgibt. Dennoch wird für 2026/27 ein deutlicher Umsatzrückgang und ein Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet. Der freie Cashflow wird aufgrund der Anlaufkosten negativ sein. Das klingt nicht gerade nach einem Spaziergang im Park, wenn man es so betrachtet.

Aktuelle Marktentwicklung und Herausforderungen

Auf dem Aktienmarkt ist die Situation ebenfalls gemischt. Die Aktie liegt zurzeit bei 1,58 Euro und hat sich seit dem 52-Wochen-Tief um 22 Prozent erholt. Allerdings hat sie auf Jahressicht fast 30 Prozent verloren und kreuzte zuletzt die 20-Tage-Linie nach unten. Der RSI zeigt Kaufdruck an – vielleicht ist das der richtige Zeitpunkt für Mutige? Die bereinigte EBITDA-Marge wird voraussichtlich bei rund 6,6 Prozent liegen, was unter der ursprünglichen Prognose von 7,1 Prozent ist. Gründe dafür sind unter anderem vorzeitige Investitionen in neue Geschäftsfelder und ein ungünstiger Produktmix im vierten Quartal.

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Die Herausforderungen sind groß, und das Management sieht die Diversifizierung weg vom zyklischen Druckmarkt als notwendig an. Schließlich verpflichtet das KRITIS-Dachgesetz rund 2.000 deutsche Einrichtungen, ihre Schutzmaßnahmen zu verbessern. Die Bedrohung durch günstige, leicht verfügbare Drohnen wächst. Die Systeme von Onberg setzen auf C-UAS-Technologien zur Drohnenerkennung und -abwehr und haben das Potenzial, sowohl militärisch als auch zivil genutzt zu werden. Aber die Abhängigkeit von Technologien aus den USA und Israel bleibt eine Herausforderung.

Am 10. Juni wird Heidelberger Druckmaschinen die geprüften Geschäftszahlen für 2025/26 vorlegen. Wir sind gespannt, was das bringt!