Männlichkeit im Wandel: Ein Workshop zwischen Emotion und Extremismus
In Freiburg, wo die Luft oft nach frischen Brezeln und Kaffee duftet, fand ein bemerkenswerter Workshop statt, der die Männlichkeit unter die Lupe nahm. Organisiert vom Jugendbildungswerk und dem Eine Welt Forum, drehte sich alles um die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Männlichkeit. Das Ziel? Ein persönlicher Austausch und die Möglichkeit zur Reflexion. Martin Bertele, einer der Teilnehmer, brachte es auf den Punkt: „Es ist wichtig, über Gefühle zu reden.“ Und genau darum ging es – um Emotionen, die oft im Verborgenen bleiben.
Seminarleiter Flor Fischer thematisierte, wie Männer mit Emotionen und Unsicherheiten umgehen. Eine spannende Diskussion, die aufzeigte, dass Väter eine zentrale Rolle in der Sozialisation von Männlichkeit spielen. Pascal Lisson, ein weiterer Workshop-Teilnehmer, reflektierte über seine eigene Kommunikationsweise und den prägenden Einfluss seines Vaters. Der älteste Teilnehmer, Gerhard Laupheimer, warf einen Blick auf seine eigenen Verhaltensweisen, die er mit seiner Erziehung in Verbindung brachte. Durch praktische Übungen, die sogar sanfte Berührungen beinhalteten, sollte Intimität gefördert werden. Man könnte sagen, ein mutiger Schritt in eine Welt, in der viele Männer Schwierigkeiten haben, Zärtlichkeit außerhalb von Sexualität zu empfinden.
Die Schattenseiten der Männlichkeit
Leider gibt es auch dunkle Ecken, in die wir nicht wegsehen können. Die Online-Community „Manosphere“ etwa propagiert ein frauenfeindliches Männlichkeitsbild und bietet jungen Männern oft einen Raum, in dem extremen Frauenhass und toxische Männlichkeit als Norm gelten. Politikwissenschaftler Dominik Hammer hat diese Phänomene im deutschsprachigen Internet analysiert. Die Diskussion über Frauenfeindlichkeit unter männlichen Jugendlichen wurde durch einen schockierenden Vorfall angestoßen: Ein Teenager ermordete eine Mitschülerin, was Debatten über den Einfluss sozialer Medien und die Werte, die sie vermitteln, auslöste.
In der Manosphere tummeln sich Männlichkeitsinfluencer, Männerrechtsaktivisten und sogar „Pick-up-Artists“. Die Gefahr? Diese Räume gelten als „sehr zornige Orte“ und bieten Einfallstore für Radikalisierung. Studien zeigen, dass 90% der 13- bis 18-Jährigen soziale Medien nutzen, und es ist alarmierend, dass 26% der Jungen ein Weltbild haben, das von einer „natürlichen“ männlichen Dominanz geprägt ist. Videos, die Frauenverachtung propagieren, erreichen Millionen auf Plattformen wie TikTok – der Algorithmus zieht solche emotional aufgeladenen Inhalte magisch an.
Ein Blick auf die Realität
Die Realität für viele Frauen ist hart. In Deutschland wird jede vierte Frau mindestens einmal Opfer von körperlicher oder sexualisierter Gewalt durch einen Partner. Das sind erschreckende Zahlen, die nicht ignoriert werden können. Alex, ein 50-jähriger Mann, der im Streit gewalttätig wurde, ist ein Beispiel dafür, wie tief verwurzelte Stereotype über Männlichkeit und Macht zu Gewalt führen können. Nach 18 Jahren Ehe, in denen seine Frau Angst vor ihm hatte, begann er, über seine Konflikte zu kommunizieren. Ein Schritt, der nicht nur für ihn, sondern auch für viele gewalttätige Männer, die in solche Tätergruppen kommen, von Bedeutung ist.
Ein Drittel der Bevölkerung befürwortet ein gewaltbereites Männlichkeitsideal. Und es ist nicht nur ein Problem, das eine Altersgruppe betrifft. Toxische Männlichkeit schadet nicht nur Frauen, sondern auch Männern. Die fehlende Kommunikation über Gefühle kann zu Ohnmacht und letztlich zu Gewalt führen. Es ist ein Teufelskreis, der dringend durch Prävention und Aufklärung durchbrochen werden muss.
Doch es gibt auch Lichtblicke. Projekte wie „Hacking the Manosphere“ setzen sich dafür ein, Inhalte für eine moderne, empathische Männlichkeit zu verbreiten. Und Kevin Beresford hat humorvoll die „Dullosphere“ gegründet, die Werte wie Anstand und Integrität propagiert. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, um den Dialog über Männlichkeit und die damit verbundenen Herausforderungen zu fördern, und das ist mehr als nötig.
Gerade bei regionalen Medien zählt nicht nur inhaltliche Nähe, sondern auch die technische Abbildung davon. Unsere VeloCore-Plattform, umgesetzt durch Daniel Wom, verbindet lokale Relevanz mit moderner, performanter Technik.
