Heute, am 2. Juni 2026, wird in Freiburg im Breisgau eine spannende Studie vorgestellt, die auf den ersten Blick wie ein weiteres akademisches Projekt erscheinen mag, aber weitreichende Erkenntnisse über das lebenslange Lernen von Lehrkräften liefert. Durchgeführt von der Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Universität Potsdam, der Humboldt-Universität Berlin und dem Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, hat diese Langzeitstudie über 800 Mathematiklehrkräfte seit ihrem Referendariat in den Jahren 2007 und 2008 begleitet und regelmäßig befragt. Über einen Zeitraum von rund 15 Jahren wurden die Teilnehmenden auf ihrer professionellen Reise beobachtet und analysiert.
Die Ergebnisse sind ermutigend und zeigen, dass das pädagogisch-psychologische Wissen der Lehrkräfte im Durchschnitt kontinuierlich zunimmt. Ein starker Wissenszuwachs tritt bereits während des Referendariats auf, in dieser entscheidenden Phase, in der praktische Erfahrungen gesammelt werden. Doch nicht nur in den ersten Berufsjahren entwickeln sich viele Lehrkräfte weiter; auch in späteren Phasen ihres Berufslebens gibt es einen bemerkenswerten Drang zur Weiterbildung und zur Reflexion des eigenen Unterrichts. Es ist spannend zu sehen, dass die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln und die regelmäßige Hinterfragung der Unterrichtsmethoden zu signifikanten Wissenszuwächsen führen.
Die Rolle der Reflexion im Lehrerberuf
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Erkenntnis, dass die bewusste Reflexion des Unterrichts eine größere Rolle in der Entwicklung spielt als die reine Berufserfahrung. Das heißt, die Lehrkräfte sind nicht nur passive Wissensvermittler; sie sind aktive Gestalter ihres eigenen Lernprozesses. Diese Reflexion fördert nicht nur ihre persönliche Entwicklung, sondern hat auch positive Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität. Die Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Thamar Voss von der Universität Freiburg ist Teil des DFG-geförderten Forschungsprogramms „COACTIV-expeRt“, das darauf abzielt, die Entwicklung der professionellen Kompetenz von Lehrkräften über ihre gesamte Berufslaufbahn hinweg zu untersuchen.
Besonders interessant ist, dass in späteren Berufsphasen die formalen Lerngelegenheiten oft weniger strukturiert sind. Trotzdem bleibt der Wissensdurst vieler Lehrkräfte ungebrochen. Sie suchen nach Wegen, um ihre Kompetenzen weiter auszubauen. Fähigkeiten wie die Strukturierung von Lernprozessen, das Eingehen auf unterschiedliche Bedürfnisse der Schüler und das Geben von hilfreichen Rückmeldungen sind entscheidend für die Gestaltung eines lernwirksamen Unterrichts. Diese Aspekte der Professionalität zeigen sich im Alltag der Lehrkräfte und machen einen großen Unterschied im Leben der Schüler.
Praktische Implikationen für die Lehrerbildung
Die Studie liefert auch wertvolle Hinweise für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften. Mentoring, kollegiale Beratung und Fortbildungen sind nicht nur in der Phase des Referendariats wichtig, sondern können auch in späteren Berufsjahren entscheidend zur Unterrichtsqualität beitragen. Es wird deutlich, dass eine unterstützende und reflektierende Umgebung ein Schlüssel zur kontinuierlichen Entwicklung ist. In diesem Sinne sollte die Lehrerbildung nicht nur auf das Ende des Studiums abzielen, sondern die Lehrkräfte auch in ihrer späteren Laufbahn begleiten und fördern.
Diese Erkenntnisse sind nicht nur für die Lehrkräfte selbst von Bedeutung, sondern auch für Bildungsinstitutionen und Entscheidungsträger. Wenn wir die Qualität des Unterrichts verbessern wollen, müssen wir Wege finden, um Lehrkräfte in ihrer Entwicklung zu unterstützen und ihnen die nötigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Denn letztendlich profitieren davon nicht nur die Lehrenden, sondern vor allem die Lernenden. An dieser Stelle wird die Wichtigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung der Lehrerbildung und -entwicklung mehr als deutlich.