Am Pfingstwochenende wird es wieder lebendig im Freiburger Jahrhundertwende-Lorettobad. Seit 1886 ist dieses besondere Freibad ein Rückzugsort für Frauen und Mädchen – einzigartig in Deutschland. Hier können sie in aller Ruhe entspannen und oben ohne schwimmen, ohne sich dabei unangenehmen Blicken oder Kommentaren ausgesetzt zu sehen. Ein echter „safe space“, der seit über 130 Jahren seine Pforten öffnet.

Das Lorettobad, auch liebevoll „Lollo“ genannt, hat eine bewegte Geschichte. Ursprünglich 1841 als erstes Schwimmbad der Stadt eröffnet, war es zunächst nur für Herren zugänglich. Doch die Zeiten änderten sich, und 1886 wurde das Damenbad in Betrieb genommen, als viele Frauen noch nicht schwimmen konnten. Das Bad, das am Fuß des Lorettobergs im Stadtteil Wiehre liegt, bietet eine teilweise Geschlechtertrennung: Neben dem reinen Damenbad gibt es auch ein Familienfreibad.

Ein Ort voller Geschichte und Tradition

Das Lorettobad hat seinen ganz eigenen Charme. Die historische Atmosphäre, die an das 19. Jahrhundert erinnert, wird durch den Jugendstil im Eingangsbereich und die nostalgischen Umkleidekabinen verstärkt. Die moderne Schwimmbadtechnik in den Edelstahlbecken sorgt dafür, dass die Besucherinnen und Besucher ein hohes Maß an Komfort genießen können. Ein Mosaik, das im Frühjahr angebracht wurde, und frisch begradigte Wände zeugen von den Renovierungsarbeiten, die das Bad für die kommende Saison fit gemacht haben.

Besonders erwähnenswert ist die Rolle der „Freunde des Lorettobads“, die sich unermüdlich für den Erhalt des Bades einsetzen. Sie organisieren Kunstausstellungen und Sommerkonzerte, die dem Lorettobad weiteres Leben einhauchen. Die Verbindung von Tradition und Moderne ist hier perfekt gelungen. Und wusstest du, dass früher im Winter Eis aus dem Becken entnommen und für Brauereien gelagert wurde? So viel Geschichte steckt in den Mauern dieses Bades!

Ein Bad mit Zukunft

Die Stadt Freiburg hat das Lorettobad nach dem Tod von Oskar Heim, dem Schwiegersohn des Gründers, übernommen. Im Laufe der Jahre gab es viele Veränderungen – das Herrenbad wurde 1940 in ein Familienbad umgewandelt, während das Damenbad bestehen blieb. Trotz aller Modernisierungen und Herausforderungen, wie der Beschlagnahmung durch die Militärregierung in den Nachkriegsjahren, hat die Geschlechtertrennung im Lorettobad bis heute Bestand. Das sorgt manchmal für Diskussionen, wie etwa bei der erfolglosen Klage eines Jura-Studenten im Jahr 1980, die für viel Aufsehen sorgte.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Zugänglichkeit des Lorettobads ist einfach: Es ist fußläufig von den Haltestellen Weddigenstraße und Reiterstraße der Straßenbahnlinie 4 sowie der Haltestelle Lorettostraße der Linie 2 erreichbar. So können auch junge Frauen und Mädchen, die vielleicht zum ersten Mal in einem Damenbad schwimmen, leicht ihren Weg finden. Das Bad ist in der Sommerzeit von Mai bis September geöffnet und hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Treffpunkt für die Freiburger Bevölkerung entwickelt. Besonders spannend: Der Film „Freibad“ von 2022 thematisiert Konflikte in einem deutschen Damenbad und zielt direkt auf das Lorettobad ab.

Ein weiteres kleines Highlight war die Holzskulptur „Loretta – von Keuschheit und Begehren“, die 2021 im Eingangsbereich aufgestellt wurde. Sie sorgte jedoch aufgrund ihrer Darstellung für Kontroversen und wurde abgebaut. Solche Geschichten sind es, die das Lorettobad lebendig halten und es zu einem Ort voller Emotionen und Anekdoten machen. Ein Besuch ist nicht nur eine Erfrischung an heißen Sommertagen, sondern auch ein Stück Geschichte, das zum Nachdenken anregt.

Wenn du mehr über die Geschlechtertrennung in Schwimmbädern erfahren möchtest, schau dir gerne diesen Artikel an: Spiegel Geschichte.