Heute ist der 13.05.2026 und wir befinden uns in Esslingen, wo die Auswirkungen der Klimakrise nicht nur in der Umwelt sichtbar sind, sondern auch in der Pflege. Die Pflegefachpersonen erleben hautnah, wie sich hitzebedingte Erkrankungen und veränderte Infektionsrisiken auf ihre Arbeit auswirken. Das Gesundheitswesen ist nicht nur ein Rückzugsort für Kranke, sondern trägt auch zur Umweltbelastung bei, was uns alle betrifft. Ein Bildungsauftrag zur Integration von Nachhaltigkeit in die Pflegeausbildung steht im Raum, und wir müssen uns fragen: Wie können wir das umsetzen?
Praxisanleitende spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sind die Brücke zwischen Theorie und Praxis und haben die Möglichkeit, nachhaltige Praktiken in die Ausbildung von Auszubildenden einzuflechten. Das NahtToolkit, ein spannendes Projekt, umfasst ein Grundlagenmodul und fünf Vertiefungsmodule, die sich mit Themen wie Hygiene, Mentoring und ressourcenschonendem Handeln befassen. Wer hätte gedacht, dass man beim Umgang mit Einmalhandschuhen auch an die Umwelt denken kann? Die ersten Evaluationen zeigen ein großes Interesse an diesen Themen, und es gibt bereits Hinweise zur Weiterentwicklung des Angebots.
Die Rolle der Hochschulen
Das Projekt „Naht“ wird von den Hochschulen Esslingen, Bielefeld und Hannover getragen und zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit in der Bildung ist. Mit einer Förderung von rund 912.000 Euro durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sowie der Europäischen Union wird der Fokus auf die Integration von Inhalten zu Planetary Health und digitaler Kompetenz gelegt. Das ist nicht nur ein Schritt in die richtige Richtung, sondern auch ein Zeichen, dass die Pflegeberufe ernst genommen werden.
Die Materialien basieren auf einer evidenzbasierten Online-Datenbank, dem NurSusTOOLKIT, und richten sich speziell an die Qualifizierung von pädagogischen Pflegefachpersonen. Hierbei ist es wichtig, dass Praxisanleitende nicht nur theoretisches Wissen haben, sondern auch in der Lage sind, dieses Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Es bedarf regionaler Kooperationen, um die nötigen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Nachhaltiges Handeln muss in die Anleitung von Pflegefachpersonen integriert werden, um die nächste Generation für diese Herausforderungen zu sensibilisieren.
Die Auswirkungen der Klimakrise
Immer mehr Pflegefachpersonen beobachten, wie die Klimakrise die Gesundheit ihrer Patient:innen beeinflusst. Besonders ältere, pflegebedürftige Menschen sind durch Hitzebelastung und Luftverschmutzung gefährdet. Das ist nicht nur eine persönliche Betroffenheit, sondern ein gesellschaftliches Problem. Zunehmende Tropenkrankheiten und die Herausforderungen durch Katastropheneinsätze, wie die Überschwemmung im Ahrtal, verdeutlichen, dass wir handeln müssen. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hat sich dazu verpflichtet, zum Klimaschutz beizutragen und informiert über konkrete Handlungsoptionen.
Das Positionspapier der AG Nachhaltigkeit in der Pflege fordert, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften verankert werden. Abfalltrennung, die Vermeidung von Einwegmaterialien – all diese kleinen Schritte können einen großen Unterschied machen, wenn sie von den Pflegefachpersonen verantwortungsbewusst genutzt werden. Es ist an der Zeit, den Handlungsspielraum, den wir haben, aktiv zu gestalten und die Weichen für eine nachhaltige Zukunft zu stellen.