Es war eine dieser Veranstaltungen, die einen nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern auch die Herzen für die Natur öffnen. Im vollbesetzten Spritzenhaus in Keltern versammelten sich interessierte Bürger, um dem Vortrag des Biologen Walter Bogner zu lauschen, der von dem Verein „Natur in Keltern e.V.“ eingeladen worden war. Das Thema? Ein wahrhaft spannendes: die Symbiose von Insekten und regionalen Wildpflanzen. Man konnte förmlich die Neugier im Raum spüren.
Bogners Kritik an den oft kommerziellen „Bienenweiden“ war unmissverständlich: Diese Flächen, die häufig mit exotischen Pflanzen gefüllt sind oder „gefüllte Blüten“ präsentieren, bieten den heimischen Insekten schlichtweg keine Nahrung. Dabei sind unsere Insekten wahre Spezialisten in ihrer Umgebung. Sie nehmen ihre Welt anders wahr, vor allem durch UV-Licht. Rot? Na ja, das interessiert sie nicht so sehr. Stattdessen ist der heimische Wildpflanzenbestand auf sie abgestimmt und bietet die nötige Nahrungsgrundlage. Bogner ist ein leidenschaftlicher Sammler und Katalogisierer regionaler Wildpflanzen – ein echter Schatz für die Biodiversität!
Die Bedeutung der heimischen Flora
Ein weiterer wichtiger Punkt, den Bogner hervorhob, ist die Nistgewohnheit vieler heimischer Wildbienen. Rund 70% von ihnen nisten im Boden, nicht in den Holz-Insektenhotels, die man so häufig in Baumärkten findet. Die Modelle aus Nadelholz oder ungeeigneten Füllungen schaden den Insekten eher, als dass sie helfen. Da stellt sich die Frage: Was können wir also tun? Bogners Empfehlung: Schafft ein „Sandarium“ – eine 50 cm tiefen Fläche aus ungewaschenem Sand und Erde. Das klingt nicht nur spannend, sondern könnte vielen Insekten als neues Zuhause dienen.
Ein Plädoyer für „wilde Ecken“ in Gärten war ebenfalls Teil seiner Ansprache. Diese kleinen Refugien aus Totholz und Brennnesseln sind wahre Kinderstuben für über 150 Insektenarten. Ein Paradies für die kleinen Krabbler und Flieger! Und genau hier setzt der Verein „Natur in Keltern e.V.“ an: In Kooperation mit „Miteinander Leben“ planen sie die Ausgabe von regional geerntetem, zertifiziertem Saatgut an die Bürger, um den Naturschutz im heimischen Garten zu fördern. Ein schöner Schritt, der jeden von uns betrifft! Die Natur in unseren Gärten ist nicht nur schön anzusehen, sie ist auch lebensnotwendig für viele Insekten.
Die alarmierende Situation der Insekten
Ein Blick über den Tellerrand zeigt jedoch, dass es um die Insekten in Deutschland und der EU nicht rosig steht. Laut der Krefelder Studie von 2017 ist die Biomasse der Fluginsekten in Schutzgebieten über 30 Jahre um schockierende 75% zurückgegangen. Hauptursachen für diesen dramatischen Rückgang sind die Verwendung von Pestiziden, der Verlust von Lebensräumen und die Klimakrise. Schwebfliegen, die wichtigen Bestäuber in unseren Ökosystemen, sind von diesem Rückgang besonders betroffen – zwei Drittel ihrer Arten sind vom Aussterben bedroht!
Der NABU macht auf diese alarmierende Situation aufmerksam, insbesondere zum Weltbienentag. Sie fordern insektenfreundlichere Landwirtschaft und weisen auf die Notwendigkeit hin, Gewässerrandstreifen von mindestens 20 Metern für einen effektiven Insektenschutz zu schaffen. Der Insektenschutzpakt, der am 1. März 2022 in Kraft trat, ist ein erster Schritt, aber es müssen schnellere Maßnahmen folgen. Der Rückgang der biologischen Vielfalt ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Natur, sondern auch für uns Menschen!
Es gibt Hoffnung! Das EU-Renaturierungsgesetz könnte eine Trendwende bringen. Auch die Weltnaturkonferenz COP15 bietet die Gelegenheit, internationale Standards zum Erhalt der Biodiversität zu schaffen. Jeder einzelne von uns kann ebenfalls einen Beitrag leisten: durch nachhaltigen Einkauf, insektenfreundliche Gestaltung des Umfelds, Verzicht auf Pestizide und politische Aktivität. Wissen über Insekten zu teilen, kann ebenfalls helfen – denn je mehr wir über unsere kleinen Freunde wissen, desto besser können wir ihnen helfen.