Die Hermann-Hesse-Bahn hat am 1. Februar 2026 ihren Betrieb zwischen Calw und Weil der Stadt aufgenommen und sorgt seither für reges Interesse in der Region. Im ersten Monat nach der Inbetriebnahme wurden bereits 25.377 Fahrgäste gezählt, darunter beeindruckende 3.490 am ersten Tag. Im Schnitt nutzten 906 Fahrgäste täglich die Verbindung, was 27 Passagieren pro Fahrt entspricht. Wären die Zahlen des ersten Betriebstages nicht in die Bilanz eingeflossen, hätte der Durchschnitt bei 810 Passagieren pro Tag gelegen. Dies zeigt, dass die neue Bahnlinie auf Anhieb Anklang findet, obwohl es anfangs noch einige Schwierigkeiten gab, wie Ticketkaufprobleme und einen Oberleitungsschaden.
Der Betrieb hat sich jedoch stabilisiert, und die Betreiber setzen sich ambitionierte Ziele: Bis zu 3.000 Fahrgäste täglich sollen zwischen der Region Stuttgart und dem Schwarzwald befördert werden. Aktuell verkehrt die Hesse-Bahn bis Mitte Juni 2026 nur einmal pro Stunde, und die Fahrten sind durch Tempo-Reduzierungen in den historischen Tunneln Forst und Hirsau beeinträchtigt, wo eine Freigabe durch das Regierungspräsidium Karlsruhe erforderlich ist, um einen Halbstundentakt zu ermöglichen. Am 12. April 2026 wurden bereits zusätzliche Fahrten in den Randzeiten eingerichtet, um den Bedürfnissen der Fahrgäste entgegenzukommen.
Ausbau und Fahrplan
Ab Mitte Juni 2026 wird die Hesse-Bahn auch bis Renningen fahren, nachdem eine neue Signalanlage installiert wurde. Während dieser Zeit wird der Bahnhof Renningen vom 6. bis 14. Juni 2026 gesperrt, und ein Schienenersatzverkehr wird eingerichtet. Die Fahrt von Calw zum Hauptbahnhof Stuttgart soll in nur 59 Minuten möglich sein, was die Verbindung deutlich attraktiver macht. Der aktuelle Fahrplan sieht Abfahrten um 5:06 Uhr ab Weil der Stadt sowie um 5:34 Uhr ab Calw vor, mit den letzten Rückfahrten um 0:06 Uhr und 0:34 Uhr. Zudem können Fahrgäste für die Hesse-Bahn sowohl VVS-Tickets als auch Tickets der Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw (VGC) nutzen.
Die Züge der Hesse-Bahn bieten komfortable 120 Sitzplätze und etwa 150 Stehplätze, eine Toilette und Platz für Fahrräder – alles, was das Herz eines Pendlers begehrt. Bis Ende Juli 2026 sollen zudem die parallel fahrenden Busverbindungen eingestellt werden, was die Attraktivität der Bahn weiter steigern dürfte.
Bedeutung des ÖPNV
Die Hermann-Hesse-Bahn reiht sich in die wachsende Zahl von Initiativen ein, die den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland stärken. Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) spielen die Mitgliedsunternehmen eine entscheidende Rolle in der Mobilitätswende und bei der Bewältigung verkehrlicher Herausforderungen. Seit 2022 steigen die Fahrgastzahlen im ÖPNV wieder an, nachdem die Corona-Pandemie zu einem Rückgang geführt hatte. Täglich befördern VDV-Unternehmen 27 Millionen Fahrgäste mit Bus und Bahn, was etliche Autofahrten einspart und somit zur Reduzierung von CO2-Emissionen beiträgt.
Im Jahr 2024 nutzten rund 9,84 Milliarden Fahrgäste den ÖPNV der VDV-Mitgliedsunternehmen, die insgesamt 89 Milliarden Personenkilometer leisteten. Die Vorteile des öffentlichen Verkehrs sind unbestritten: Er spart im Durchschnitt 100 Gramm Treibhausgase und 15 Gramm Stickoxide pro Kilometer im Vergleich zur Autofahrt. Würde es den ÖPNV nicht geben, kämen zusätzlich 78 Milliarden Pkw-km auf deutschen Straßen zusammen.
Die Hermann-Hesse-Bahn ist somit nicht nur eine Bereicherung für die Region, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Mobilität und Umweltschutz.