Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Dax-Unternehmen hat erneut einen Rückgang erlebt, und das gleich zum zweiten Mal in Folge. Aktuell liegt dieser bei 38,3 Prozent, was einem Minus von 0,1 Prozentpunkten entspricht. Besonders alarmierend ist, dass bei neu gewählten Vertretern der Frauenanteil sogar auf 32 Prozent gesunken ist – der niedrigste Wert im laufenden Jahrzehnt. Wenn wir zurückblicken, können wir jedoch feststellen, dass der Frauenanteil von 2009 bis 2024 kontinuierlich von 7 auf über 40 Prozent angestiegen ist. Doch nun scheinen wir eine Delle im positiven Trend zu erleben.
Ein interessanter Punkt ist, dass Frauen tendenziell kürzer in den Gremien bleiben – im Durchschnitt 5,4 Jahre, während Männer es auf 9,5 Jahre bringen. Jens-Thomas Pietralla von Russell Reynolds hat kürzlich betont, dass es in Richtung Parität keinen Fortschritt gibt, was im krassen Gegensatz zu den Entwicklungen in anderen europäischen Ländern steht. Die Besetzung zentraler Machtpositionen bleibt hinter den Erwartungen zurück, und die vergangene Ungleichheit könnte hier eine Rolle spielen. Schließlich hatten Frauen in der Geschichte selten die Möglichkeit, Vorstandsvorsitz innezuhaben, was den Pool an weiblichen Kandidaten verringert hat.
Ein Hoffnungsschimmer an der Spitze
Es gibt jedoch auch positive Nachrichten zu vermelden: An der Spitze der Aufsichtsräte gibt es einen leichten Anstieg. Fünf Gremien werden mittlerweile von Frauen geführt. Ein bemerkenswertes Beispiel ist Amparo Moraleda, die voraussichtlich im Oktober 2026 René Obermann als Aufsichtsratsvorsitzende von Airbus ablösen wird. Damit könnte der Frauenanteil in diesem Gremium auf 15 Prozent steigen, was zumindest ein kleiner Lichtblick in einem ansonsten trüben Bild ist.
Zusätzlich zeigt eine Analyse von Russell Reynolds Associates (RRA), dass der Frauenanteil in den Vorständen der Dax- und MDax-Unternehmen leicht gesunken ist. Im Dax 40 liegt er aktuell bei 25,5 Prozent, was einem Rückgang von 0,2 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Im MDax sind es sogar nur noch 19,5 Prozent. Es ist besorgniserregend zu sehen, dass von 71 neu besetzten Vorstandspositionen nur 12 an Frauen gingen, was einen Anteil von lediglich 17 Prozent ausmacht. Die Allbright-Stiftung hat zudem einen Rückgang weiblicher Neubestellungen in den 160 Unternehmen der Dax-Familien dokumentiert. Ein klarer Rückschritt.
Die Situation in Deutschland im europäischem Kontext
<pAktuelle Zahlen zeigen, dass der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland 2024 bei 29,1 Prozent stagniert. Das sind 540.000 weibliche Führungskräfte im Vergleich zu 1,32 Millionen männlichen Führungskräften. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt liegt bei 35,2 Prozent, wobei Schweden mit 44,4 Prozent an der Spitze steht. Die stagnierende Entwicklung in Deutschland ist besonders auffällig, wenn man bedenkt, dass der Frauenanteil in Führungspositionen seit 2014 kaum verändert ist – gerade einmal um 0,1 Prozentpunkte gestiegen.
Diese Zahlen werfen Fragen auf. Warum stagniert der Fortschritt in Deutschland, während andere europäische Länder deutliche Fortschritte verzeichnen? Unternehmen, die keine Frauen im Vorstand planen, müssen dies begründen, andernfalls drohen Bußgelder. Vielleicht ist es an der Zeit, diese Regelungen konsequenter umzusetzen und den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen. In der Zwischenzeit bleibt zu hoffen, dass sich die Entwicklung bald wieder zum Positiven wendet und mehr Frauen in Führungspositionen gelangen.