Im Landkreis Böblingen tut sich was – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Die Initiative zur Neupflanzung von alten Obstsorten bringt frischen Wind in die Region. Der Böblinger Straßenapfel, der Rosenapfel vom Schönbuch und der Weilemer Sämling sind die neuen Stars im Obstgarten der Gemeinde. Diese Sorten wurden von der Sortenerhaltungszentrale Baden-Württemberg als „Landkreis-Sorten“ auserkoren, und das aus gutem Grund. Es ist nicht nur ein einfacher Pflanzakt, sondern ein Zeichen der Verbundenheit mit der Region.

Im Februar wurde bei einer Pflanzaktion am Landratsamt kräftig angepackt. Neben den drei Apfelbäumen fanden auch andere Streuobstbäume ihren Platz im Erdreich. Diese Bäume wurden Anfang Mai umveredelt – ein Prozess, der mit verschiedenen Techniken wie Pfropfung, Kopulation und Chipveredelung durchgeführt wurde. Damit wird die alte Tradition des Obstbaus neu belebt und die nächsten Generationen dürfen sich schon in 2-3 Jahren auf die ersten Früchte freuen!

Die alten Sorten im Fokus

Der Böblinger Straßenapfel ist ein wahrer Saft- und Mostapfel. Mit seiner robusten Natur reift er Ende September und hält sich 4-6 Wochen. Ideal für alle, die gerne selbstgemachten Apfelsaft genießen! Der Rosenapfel vom Schönbuch hingegen zeigt sich in einem leuchtenden Rot und ist bis ins Frühjahr lagerfähig. Und der Weilemer Sämling? Ein echtes Multitalent, das zufällig entdeckt wurde und in der Küche vielseitig eingesetzt werden kann.

Die Apfelbäume stehen nicht alleine da. Am Landratsamt haben sich auch Zwetschgenbäume angesiedelt, darunter die Herrenberger Zwetschge und die Gäugold-Zwetschge. Es schätzt sich, dass im Landkreis Böblingen rund 1000 Zwetschgenbäume wachsen. Die Baumschulen Kienzle in Gäufelden-Tailfingen und Hiller in Mötzingen bieten die Sorten an. Wer also auf der Suche nach einem besonderen Obstbaum ist, sollte dort unbedingt vorbeischauen!

Streuobstwiesen als Lebensraum

Doch die Apfel- und Zwetschgenbäume sind nicht nur ein Genuss für den Gaumen. Streuobstwiesen sind Lebensräume für über 5.000 Arten von Tieren, Pflanzen und Pilzen. In Deutschland gibt es rund 6.000 Obstsorten, und die Streuobstbauweise gilt als naturverträglich. Der NABU setzt sich aktiv für den Erhalt dieser wertvollen Kulturlandschaft ein. Diese Form des Obstanbaus hat in den letzten Jahren stark abgenommen, von einst 1,5 Millionen Hektar auf nur noch 250.000 Hektar. Das ist schon ein bisschen traurig, wenn man bedenkt, wie wichtig diese Landschaften für die Biodiversität sind.

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Für alle, die sich für Veredelungstechniken interessieren, bietet die Fachberatungsstelle für Obst- und Gartenbau im Landkreis Böblingen im April Veredelungskurse an. Das ist eine tolle Gelegenheit, um mehr über die Kunst des Obstbaus zu lernen und vielleicht selbst einen kleinen Beitrag zur Erhaltung der alten Sorten zu leisten.

Es bleibt spannend, wie sich die neuen alten Sorten im Landkreis Böblingen entwickeln werden. Ob frisch vom Baum oder in einem köstlichen Saft – die Zukunft der Böblinger Obstkultur sieht vielversprechend aus!