Im idyllischen Bodenseekreis, genauer gesagt in Friedrichshafen, blüht ein wunderbares Projekt, das die Brücke zwischen den Generationen schlägt: Der Verein Familientreff-Insel vermittelt Leihgroßeltern an Familien, um eine liebevolle und unterstützende Betreuung für Kleinkinder zu bieten. Unter dem Motto „Senioren betreuen Kleinkinder“ wurde dieses wertvolle Vorhaben vor 23 Jahren ins Leben gerufen. Aktuell sind etwa 12 bis 15 Seniorinnen als Leihomas aktiv, während es bislang keine Leihopas gibt.
Familien, die an diesem Programm interessiert sind, müssen zunächst Vereinsmitglieder werden, was mit einem Jahresbeitrag von 30 Euro verbunden ist. Ein Kennenlerngespräch dient dazu, die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Familien zu klären. In der Regel findet der Verein innerhalb eines Monats eine passende Leihoma, wobei die Nachfrage groß ist: Es gibt etwa fünfmal mehr Anfragen als verfügbare Leihomas. Diese betreuen Kinder bis zur Einschulung in der Regel wöchentlich für zwei bis drei Stunden oder auch den ganzen Tag.
Ein wertvoller Austausch
Besonders erfreulich ist, dass viele Leihomas eigene Enkelkinder haben, die weit weg wohnen. Sie suchen eine neue Lebensaufgabe und finden sie in der Betreuung der Kleinsten. Etwa die Hälfte der betreuten Familien ist nicht in Deutschland geboren, was den Kindern die Möglichkeit bietet, nicht nur Deutsch zu lernen, sondern auch die regionale Kultur hautnah zu erleben. Die Leihomas treffen sich zudem monatlich, um Erfahrungen auszutauschen und ihre Erlebnisse zu teilen.
Die Seniorinnen schätzen die Offenheit, Ehrlichkeit und Spontanität der Kinder. Oft entstehen enge Beziehungen zwischen Leihomas und Familien, die auch über die Betreuungszeit hinaus bestehen bleiben. So werden Leihomas zu Familienfeiern eingeladen und behandeln die Kinder wie eigene Enkel. Ein Vertrag regelt, dass das Projekt keine klassische Kinderbetreuung oder Haushaltshilfe ersetzt. Jede Leihoma muss zudem ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, um die Sicherheit und das Vertrauen in das Projekt zu garantieren.
Ein Blick über den Tellerrand
Das Konzept der Leihgroßeltern ist nicht nur in Friedrichshafen populär. Auch der Deutsche Kinderschutzbund verfolgt ähnliche Initiativen, obwohl aktuell kein entsprechendes Projekt in Reutlingen angeboten wird. Eltern, die auf der Suche nach Unterstützung sind, können sich an die Familienhilfe des Kinderschutzbundes wenden, um die Möglichkeit einer Patenschaft zu prüfen. Die Idee bleibt jedoch dieselbe: jungen Familien ohne Großeltern vor Ort eine wertvolle Unterstützung zu bieten.
Die positive Resonanz über die Beziehungen zwischen Senioren, Kindern und Eltern zeigt, wie wichtig solche Projekte für die Gemeinschaft sind. Die Kinder genießen die Nähe und den Austausch mit Bezugspersonen, die sie liebevoll „Oma“ oder „Opa“ nennen können. Diese familiären Bindungen sind nicht nur wertvoll für die Kinder, sondern bieten auch den älteren Generationen eine erfüllende Tätigkeit im Umgang mit den Kleinen.
Interessierte Eltern und Senioren, die Teil dieses besonderen Projektes werden möchten, können sich direkt an Anna Sezen vom Familientreff-Insel wenden. Sie ist unter der E-Mail-Adresse info@familientreff-insel.de oder telefonisch unter 07541 75150 erreichbar. Auch über WhatsApp kann man Kontakt aufnehmen.
In einer Welt, die oft hektisch und anonym erscheint, zeigt das Projekt „Leihgroßeltern“ in Friedrichshafen, wie wertvoll der Austausch zwischen Jung und Alt sein kann – eine Initiative, die nicht nur den Familien, sondern auch den engagierten Leihomas eine neue Lebensaufgabe gibt.