Heute ist der 23.05.2026, und in Biberach gibt es Grund zur Freude! Die Ausstellung „Der unbekannte Meister“ im Museum Biberach zieht die Blicke auf sich – und das aus gutem Grund. Hier werden die Werke von Michael Zeynsler, einem Bildhauer der Spätgotik, präsentiert. Zeynsler, der 1515 nach Biberach kam, hat mit seinen lebendigen Skulpturen Kunstgeschichte geschrieben. Wenn man vor seinen Frauenfiguren steht, spürt man fast die Anmut und mütterliche Liebe, die sie ausstrahlen. Und die Männerfiguren? Die strahlen eine ganz eigene Kraft und Ernsthaftigkeit aus. Man könnte fast meinen, sie erzählen Geschichten aus einer anderen Zeit!
Die Herkunft des Künstlers bleibt ein Geheimnis, was alles nur noch spannender macht. Vermutlich im Dreieck von Ulm, Memmingen und Biberach geboren, ist nicht einmal seine Familie in Memmingen um 1500 bekannt. Komisch, oder? Der junge Zeynsler könnte seine Lehrjahre in Ulm bei Größen wie Michel Erhart oder Niklaus Weckmann verbracht haben, doch auch das bleibt unklar. Stattdessen hat er 62 Werke hinterlassen, die nun von der Restauratorin Evamaria Popp untersucht wurden. Sie hat Zeynsler und seiner Werkstatt Skulpturen zugeordnet, die zuvor einem unbekannten Urheber zugeschrieben wurden. Zeynsler selbst wird als Freimeister in Biberach bezeichnet, was ihm leider verbot, Schreinerarbeiten oder Altartafeln anzufertigen. Eine echte Herausforderung für einen kreativen Kopf!
Die Ausstellung und ihre Schätze
In der Ausstellung „Der unbekannte Meister“ können Besucher 29 von Zeynslers Werken bewundern, die Evamaria Popp zugeordnet hat. Diese faszinierenden Stücke stammen aus Städten wie Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Ulm, Rottweil und München. Besonders erwähnenswert sind die sitzende Anna Selbdritt sowie die Marienkrönung aus dem Bayerischen Nationalmuseum. Zudem gibt es ein Interzessionsrelief aus Lyon zu sehen, das den Betrachter in seinen Bann zieht. Man kann sich förmlich vorstellen, wie Zeynsler seine Skulpturen schnitzte – mit einem Blick fürs Detail, das anmutig und beseelt wirkt.
Ein weiteres Highlight ist eine Figurengruppe, die Anna, die Mutter Mariens, zeigt, wie sie sich sanft an Maria lehnt, die das Jesuskind hält. Diese Emotionen, die in den Skulpturen festgehalten sind, lassen einen nicht kalt. So wird auch der Heilige Christophorus von Zeynsler als alter Mann mit Krampfadern dargestellt, der ehrfurchtsvoll zum Jesuskind aufblickt. Man fragt sich, was in der Seele dieses Meisters vor sich ging, während er seine Werke schuf.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Zeiten, in denen Zeynsler lebte, waren turbulent. Großbrände, der Bauernkrieg und der Bildersturm – alles Ereignisse, die sein Schaffen beeinflussten. Nach dem Bildersturm stellte er seine Kunst ein und eröffnete später einen Laden, vielleicht für kleine Skulpturen. Das Hinterlassen unbemalter Skulpturen zeugt von einem gewissen Selbstbewusstsein, das er wohl hatte. Und so starb er 1559 im Alter von fast 80 Jahren und hinterließ eine Vielzahl an Fragen und vor allem an Werken, die uns heute faszinieren.
Die Ausstellung, die bis zum 18. Oktober 2026 im Museum Biberach zu sehen ist, bietet nicht nur einen Blick auf Zeynslers Kunst, sondern auch auf die Umstände seiner Zeit. Medienstationen und eine nachgebaute Werkstatt geben interessante Einblicke in die Welt des Bildhauers. Wer also in der Gegend ist oder einfach nur Kunstliebhaber ist, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Denn hier wird Geschichte lebendig!