Heute ist der 4.05.2026, und in der beschaulichen Stadt Biberach brodelt es gewaltig unter der Oberfläche. Das Thema, das hier alle in Atem hält, ist der Identitätsdiebstahl und die perfide Welt der Deepfakes. In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz (KI) massiv an Bedeutung gewinnt, stellt sich die Frage: Wie sicher sind wir noch in unserem eigenen digitalen Leben? Eckart von Hirschhausen, der bekannte Mediziner und Fernsehjournalist, ist auf schockierende Weise in diese Debatte verwickelt. Über 2.000 Mal ist sein Abbild als Deepfake im Netz unterwegs, und das nicht zum Spaß oder zur Unterhaltung.

Die KI-generierten Clips nutzen seine Stimme und sein Bild, um falsche Werbung zu machen – und Hirschhausen macht dabei keine Werbung für die Produkte, die da beworben werden. Er selbst beschreibt die Situation als einen tausendfachen Rufmord, der nicht nur seine Karriere, sondern auch seine Psyche belastet. In der neuen ARD-Dokumentation „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“, die am 1. Mai auf der ARD-Mediathek veröffentlicht wurde und heute um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird, wird das Thema Identitätsklau als ein ernstzunehmendes Geschäftsmodell aufgezeigt.

Die Schattenseiten der digitalen Welt

Besonders alarmierend ist, dass die Diskussion über sexualisierte Deepfakes, die vor allem Frauen betreffen, in Deutschland seit einigen Wochen an Fahrt aufnimmt. Julia Krickl, eine leitende Forscherin am Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation, warnt eindringlich vor Online-Betrug durch Deepfakes. Diese Technik, die es ermöglicht, täuschend echte Bilder, Videos und Tonaufnahmen zu erstellen, hat Betrugsmaschen schneller und raffinierter gemacht. Jeder kann Opfer werden – besonders wenn persönliche Fotos im Internet verfügbar sind.

Eine weitere alarmierende Nutzung von Deepfakes sind die sogenannten Live-Deepfakes, die in Echtzeit gefälschte Beratungen vorspiegeln können. Diese Technologie wird nicht nur für intime Gewalt gegen Frauen verwendet, sondern auch für Investmentbetrug, bei dem Kriminelle gefälschte Finanzanlagen bewerben, indem sie sich als Prominente ausgeben. Der Digital Services Act der EU soll Plattformen stärker in die Verantwortung nehmen, damit illegale Inhalte schneller entfernt werden. Doch die Frage bleibt: Wie effektiv wird das wirklich sein?

Ein Blick hinter die Kulissen

Hirschhausen trifft in der Doku auch einen Whistleblower aus Brasilien, der in einem Callcenter arbeitete, das gefälschte Produkte anbot. Das wirft ein grelles Licht auf die Rolle großer Digitalkonzerne, die oft nur unter Druck handeln, wenn es um die Bekämpfung von Fakes geht. Es ist kaum zu fassen, dass im Internet Dinge akzeptiert werden, die im analogen Leben nicht toleriert würden. Und während das Internet als Zufluchtsort für Menschen mit gesundheitlichen Problemen dient, wird es gleichzeitig zur Spielwiese für Betrüger und Identitätsdiebe.

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Hirschhausen selbst hat die erschreckende Erfahrung gemacht, dass Passanten ihn aufgrund gefälschter Werbebotschaften erkennen, und nicht wegen seiner tatsächlichen Arbeit als Moderator. Das ist nicht nur eine persönliche Kränkung, sondern auch ein eindringlicher Hinweis darauf, wie tief die Desinformation in unsere Gesellschaft eingedrungen ist. Er bezeichnet diese Entwicklung als „medizinischen Notfall“ und warnt vor den Gefahren gefälschter Medikamentenwerbung.

Die Doku gibt auch anderen Betroffenen eine Stimme, darunter Moderator Ingo Zamperoni und eine 80-Jährige, die auf ein gefälschtes Heilungsversprechen hereinfiel. Collien Fernandes, eine Kämpferin gegen Identitätsdiebstahl, betont die Bedeutung „echter Menschen“ im echten Leben und gibt dem Ganzen eine menschliche Dimension. Diese Geschichten geben einen tiefen Einblick in die verheerenden Auswirkungen, die Deepfakes auf das Leben der Menschen haben können.

Es bleibt abzuwarten, ob die geforderten verbindlichen Regeln für Plattformen wirklich kommen werden. Die Debatte ist angestoßen, und es ist an der Zeit, dass wir alle wachsam bleiben. Denn in einer Welt, in der wir kaum noch unterscheiden können, was echt und was gefälscht ist, könnte jeder von uns das nächste Opfer sein.