Heute ist der 16.06.2026 und in Geislingen an der Steige hat der Tag bereits begonnen. Onur Tekeci, Lokführer beim Bahnunternehmen Arverio (früher bekannt als Go Ahead), steht am Bahnsteig, bereit, den Regionalzug MEX 16 aus Ulm nach Stuttgart zu übernehmen. Seit 2019 ist er Teil des Bahnalltags und hat in dieser Zeit viel erlebt. Der Stuttgarter Bahnknoten? Für ihn vor allem eine Baustelle. Kaum ein Tag vergeht, an dem Tekeci nicht mit spontanen Baustellen oder Streckensperrungen konfrontiert wird – ein ständiger Kampf gegen die Zeit.

Der Zug aus Ulm trifft pünktlich ein, und um 8:48 Uhr geht es dann auch schon los. Die geplante Fahrzeit beträgt 62 Minuten, doch wie so oft, gibt es kleine Hürden. Die Technik ist alt, die Signalanlagen stammen zum Teil aus den 50er Jahren. Oft müssen die Lokführer kurzfristig umgeschult werden, was die Dienstpläne durcheinanderbringt. „Über 90% der Kollegen akzeptieren solche Änderungen“, sagt Tekeci, der auch als Personalvertreter tätig ist. „Es ist beeindruckend, wie engagiert alle sind, aber der Stress ist nicht zu übersehen.“

Ein Tag voller Herausforderungen

Die Fahrt führt über Plochingen, wo ein planmäßiger Aufenthalt eingelegt wird, um einen ICE vorzulassen. Doch der ICE hat Verspätung, und so startet Tekeci mit drei Minuten Verspätung. Kurz vor Esslingen muss er dann auch noch an einem roten Signal halten, und das führt zu insgesamt sechs Minuten Verspätung. „Es ist frustrierend“, sagt er, „ich bin noch nie mit dem neuen Zugsicherungssystem ETCS gefahren, obwohl ich die Prüfung bereits abgelegt habe.“ Es ist schade um das viele Geld und den Stress, die die aktuelle Situation verursacht.

Die Inbetriebnahme von Stuttgart 21, das die alte Technik durch digitale Zugsicherungssysteme ersetzen soll, wurde auf 2031 verschoben. Und die Kosten? Könnten um bis zu drei Milliarden Euro steigen. Es ist ein gewaltiges Projekt, das sich über die Jahre hinzieht und die Nerven der Lokführer auf die Probe stellt.

Stuttgart 21 – eine große Vision

Doch blickt man über die Baustellen hinweg, wird klar: Stuttgart 21 hat das Potenzial, den Bahnknoten Stuttgart grundlegend zu verändern. Der künftige Durchgangsbahnhof wird nicht nur die Kapazitäten erhöhen, sondern auch umsteigefreie Verbindungen im Regionalverkehr ermöglichen. Ein Stresstest im Jahr 2011 hat die Leistungsfähigkeit bereits nachgewiesen. Mit acht Gleisen wird der neue Bahnhof im Vergleich zu den bisherigen fünf Gleisen nicht nur effizienter, sondern auch zukunftsweisend sein.

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Die Digitalisierung wird die Kapazität des Bahnknotens weiter steigern. Über zehn Millionen Fahrgäste im Fernverkehr in Deutschland sollen jährlich von diesem Ausbau profitieren. Man rechnet mit einer Nachfragesteigerung von rund zwei Millionen Reisenden! 75% der elf Millionen Einwohner von Baden-Württemberg werden von den verkehrlichen Vorteilen profitieren. Das alles soll den Deutschlandtakt im Südwesten ermöglichen.

Und während sich in Stuttgart und Umgebung die Stadtentwicklung anbahnt, mit zwei neuen Stadtvierteln und großzügigen Grünanlagen, bleibt der Alltag für Lokführer wie Tekeci eine ständige Herausforderung. „Es wird Zeit, dass sich etwas ändert“, sagt er. Während er mit seinem Zug durch die Landschaft rollt, bleibt die Hoffnung auf Besserung bestehen. Die Baustellen sind zwar lästig, aber vielleicht wird es eines Tages besser – für ihn und für die Reisenden. Bis dahin heißt es: weiterfahren, weiterkämpfen, und die Unwägbarkeiten des Bahnalltags annehmen.

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