Es ist kaum zu fassen: 20 Jahre sind vergangen, seit die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland die Nation in einen euphorischen Ausnahmezustand versetzte. Baden-Baden, das charmante Städtchen, wurde zum Schauplatz eines besonderen Spektakels – nicht nur auf dem Rasen, sondern auch abseits davon. Die englische Fußball-Nationalmannschaft, angeführt von niemand Geringerem als David Beckham, bezog ihr Quartier im prunkvollen Schlosshotel Bühlerhöhe. Für die Bewohner war die Ankunft der englischen Fans ein zweischneidiges Schwert, denn die Befürchtungen über mögliche Unruhen schwebten in der Luft. Aber das war erst der Anfang.

Während die Spieler sich auf dem Platz vorbereiteten, sorgten die Spielerfrauen – die sogenannten „WAGs“ – für Aufsehen und ein regelrechtes Medienfieber. Ihre Kommando-Zentrale war das Hotel „Brenner’s Park“, wo sie in schickem Ambiente das Blitzlichtgewitter der Paparazzi genossen. Es war nicht nur die glamouröse Präsenz von WAGs wie Victoria Beckham oder Coleen Rooney, die die Aufmerksamkeit auf sich zog. Die englischen Sportreporter bezeichneten sie als „Hooligans mit Kreditkarten“ – eine Bezeichnung, die die launige Atmosphäre in Baden-Baden treffend einfing.

Ein Ort der Begegnungen

Die Interaktionen zwischen WAGs und Journalisten waren nicht nur spannend, sondern auch oft amüsant. Man kann sich das Bild kaum anders vorstellen, als dass sich die WAGs und die Journalisten im Brenners Park Hotel und Spa begegneten – ein wahrer Melting Pot der Gesellschaft. Manchmal war es wie ein großes Durcheinander: Ein Journalist wurde aus der Bar verwiesen, nur um später wieder zurückgeholt zu werden. Die Stimmung war geprägt von Feiern, Lachen und sozialen Aktivitäten, ganz im Stil einer großen Familie.

Dabei profitierten die Geschäftsleute in Baden-Baden enorm von diesen Begegnungen. In der Boutique „Monika Scholz“ gaben die Spielerfrauen innerhalb einer Stunde unfassbare 80.000 Euro aus! Und das Restaurant Garibaldi musste 700 Liter Bier nachbestellen, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. Der Chef des Restaurants freute sich über den Umsatz und wusste, dass diese WM nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Stadt ein finanzieller Segen war.

Ein unvergessliches Turnier

Das Turnier selbst endete für England jedoch enttäuschend. Nach einem dramatischen Viertelfinale gegen Portugal, das im Elfmeterschießen (1:3) entschieden wurde, war die Hoffnung auf den Titel dahin. Doch die WAGs nahmen den Titel für die beste Party aus Deutschland mit nach Hause – eine kleine ironische Wendung inmitten des sportlichen Misserfolgs. Die Atmosphäre in Baden-Baden war lebhaft und ausgelassen, während sich die Spielerfamilien und WAGs in den besten Restaurants und Boutiquen der Stadt tummelten.

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Die WM 2006 selbst war nicht nur ein sportliches, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis, das die Nation zusammenschweißte – und, wie sich später herausstellte, in einer von Skandalen geprägten Atmosphäre stattfand. Ein Bericht des Magazins Der Spiegel aus dem Jahr 2015 deutete an, dass die WM mutmaßlich „gekauft“ wurde. Hinter verschlossenen Türen wurden Gelder bewegt, um die FIFA-Entscheidung zur Vergabe der WM nach Deutschland zu beeinflussen. Diese Affäre um Schmiergeldzahlungen und geheime Abmachungen überschattete die glanzvollen Momente und ließ die Frage aufkommen, wie viel Sportlichkeit tatsächlich im Spiel war.

Doch das ist eine Geschichte für sich. Für die Menschen in Baden-Baden bleibt die WM 2006 ein unvergessliches Kapitel, in dem Glamour, Chaos und eine Prise Fußballgeschichte aufeinandertrafen.