In Baden-Württemberg wird die Luft für Lehrkräfte immer dünner. Immer mehr Pädagogen entscheiden sich, den Beruf zu wechseln oder gleich ganz aus dem Schuldienst auszusteigen. Der Druck ist hoch, die Belastung enorm. In diesem Jahr schieden bereits 187 Lehrkräfte bis Juni aus, und 2024 waren es bis zu diesem Zeitpunkt schon 446. Der Hauptgrund für diesen Trend sind hohe Arbeitsbelastung, Stress, Personalmangel und das Verhalten von Schülerinnen und Schülern, wie SWR berichtet.

Zwei ehemalige Lehrkräfte teilen ihren persönlichen Kampf mit den Lesern. Daniela Hug, die nach 15 Jahren den Lehrerberuf aufgegeben hat, kämpfte mit Überlastung und hat nun als Krankenschwester eine neue Zuflucht gefunden. Auch Susi Ritter konnte dem Druck nicht mehr standhalten und berichtet von körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen und Schwindel. Ihr Ausstieg war geprägt von Unzufriedenheit mit der Unterrichtsart: „Ich konnte nicht auf die individuellen Stärken meiner Schüler eingehen“, erklärt sie. Nun arbeitet sie als Referentin und könnte sich eine Rückkehr nur unter bestimmten Bedingungen vorstellen, die weniger Druck und mehr Freiheiten erfordern.

Burn-out und seine Auswirkungen

Der Stress wird häufig mit nach Hause genommen und wirkt sich auf das gesamte Leben der Betroffenen aus. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit ist Burn-out eine ernstzunehmende Reaktion auf anhaltenden Stress, mit Symptomen wie emotionaler Erschöpfung und einer reduzierten Leistungsfähigkeit. In einer Umfrage der Robert-Bosch-Stiftung gaben 10% der Lehrkräfte an, sich täglich erschöpft zu fühlen. Dabei sind es vor allem die jüngeren Lehrkräfte und Frauen, die von Erschöpfung und Zynismus betroffen sind, wie die Studie zeigt.

Die Corona-Pandemie hat die Schwächen des Bildungssystems offengelegt und die Belastungen für Lehrkräfte weiter verstärkt. Mehr als jeder fünfte Befragte fürchtet, dass die Arbeit sie „verhärten“ könnte. Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und ein Umdenken anzustoßen, hat die Lehrervereinigung BLV eine Online-Petition ins Leben gerufen, die sich für zukunftsfähige Schulorganisationen und moderne Arbeitszeitregelungen stark macht.

Studie zur Arbeitsbelastung von Lehrkräften

Im Rahmen einer Kooperation zwischen der Universität Mannheim und den Professoren Aprea und Rausch wurde die „Arbeitszeit, Arbeitsbelastung und Resilienz von Lehrkräften an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg“ untersucht. Diese Studie erfasst nicht nur die Arbeitszeiten, sondern auch die tatsächlichen Tätigkeiten von Lehrkräften. Seit 2021 haben mehr als 1.800 Lehrkräfte Daten zu über 40.000 Arbeitsaktivitäten beigetragen. Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrkräfte im Schnitt fast drei Stunden pro Woche mehr arbeiten als es die Vorschriften vorsehen.

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  • Lehrkräfte berichten von fehlenden Pausen und hohem Zeitdruck.
  • Teilzeitkräfte tragen überproportional viele Aufgaben.
  • Schulleitungen arbeiten im Durchschnitt über 20 % mehr als vorgesehen.

Die BLV richtet sich mit zentralen Forderungen an die Politik: die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit, die Anerkennung notwendiger Zusatzleistungen zur Senkung der Unterrichtsverpflichtung und eine Reduzierung von Belastungsspitzen. Auch die Einführung eines Lebensarbeitszeitkontos und ein modernes Personalmanagement nach dänischem Vorbild stehen auf der Agenda.

Es besteht Handlungsbedarf, und die Stimmen der Lehrkräfte müssen gehört werden. Die Herausforderungen sind vielfältig, doch nur durch einen gemeinsamen Effort lässt sich ein Ausweg finden, damit der Lehrerberuf auch in Zukunft für viele ein attraktives Tätigkeitsfeld bleibt. Denn gute Schulen braucht das Land, und dafür sind die Lehrkräfte unerlässlich.

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